Die Kommentare in den Schweizer Medien deuten die klare Ablehnung der SRG-Initiative mit 62 Prozent Nein-Stimmen überwiegend als Bekenntnis zum Service public.
Gleichzeitig mahnen viele Stimmen, dass die SRG aus dem Resultat keine Selbstzufriedenheit ableiten dürfe. Ein kleiner Überblick des Klein Reports.
In der «Neuen Zürcher Zeitung» wird das Resultat als Unterstützung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk interpretiert, jedoch nicht als Carte blanche.
Die liberale Zeitung betont, dass die SRG ihren Auftrag stärker fokussieren und das Verhältnis zu privaten Medien neu austarieren müsse. Das klare Nein zeige zwar Vertrauen in den Service public – gleichzeitig sei der politische Druck auf die SRG weiterhin vorhanden.
Im «Tages-Anzeiger» wird das Abstimmungsresultat als deutliche Niederlage der Initianten bewertet: «Lasst die SRG endlich in Ruhe», schimpft beispielsweise SP-Vorkämpferin Jacqueline Badran.
Der eher linkslastige «Tages-Anzeiger» schreibt weiter, dass sich die Bevölkerung gegen einen radikalen Eingriff in die Medienfinanzierung entschieden habe. Die Abstimmung zeige, dass viele Stimmbürgerinnen und Stimmbürger den Service public als wichtigen Bestandteil der demokratischen Infrastruktur betrachten.
Die Titel von «CH Media» – darunter «Aargauer Zeitung» und «Luzerner Zeitung» – sprechen von einer klar gescheiterten Initiative. In den Analysen wird darauf hingewiesen, dass die Befürworter zwar Unzufriedenheit mit der SRG mobilisieren konnten, ihre radikale Halbierung der Gebühren jedoch für viele Wähler zu weit ging.
Auch der «Blick» von Ringier kommentiert, dass das Resultat ein deutlicher Sieg für die Gegner der Initiative sei. Gleichzeitig wird gewarnt, dass die SRG aus dem Abstimmungssonntag nicht den Schluss ziehen dürfe, alles könne so bleiben wie bisher. Die Diskussion über Auftrag, Kosten und Marktrolle werde weitergehen.
Der Ringier-Verlag ist auf der Siegerseite mit seiner Tochterfirma Admeira, die die SRG vermarktet.
Auf dem Onlineportal «Watson» von CH Media schreibt Kommentator Peter Blunschi, die SRG sei «noch einmal davongekommen». Das Nein sei zwar klar, doch der politische Druck auf den Sender bleibe bestehen. Die SRG müsse Reformbereitschaft zeigen, sonst könne eine nächste Initiative erfolgreicher sein.
In den Analysen des Schweizer Radio und Fernsehens (SRF) wird darauf hingewiesen, dass besonders in Städten und im links-liberalen Wählermilieu eine starke Mobilisierung stattfand, besonders gegen das Ende der Kampagne. Politologe Lukas Golder vom Marktforschungsinstitut gfs.bern erklärte im SRF-Abstimmungsstudio, zusätzliche Wählerinnen und Wähler hätten sich in den letzten drei Tagen vor dem Urnengang noch sehr stark mobilisieren lassen.
Quintessenz aus der umfangreichen Berichterstattung: Die SRG-Initiative ist klar gescheitert – doch die medienpolitische Debatte über Auftrag, Finanzierung und Rolle der SRG dürfte weitergehen.
Viele Kommentatoren sehen das Abstimmungsresultat deshalb weniger als Endpunkt, sondern als Zwischenetappe in der SRG-Debatte.




