Seit dem 1. Juli 2006 haben Bundesbeamte noch rötere Köpfe als bisher schon. Denn seit diesem Datum «hat jede Person Anspruch auf Zugang zu amtlichen Dokumenten der Bundesverwaltung».
Dieser Anspruch bestehe unabhängig von Nationalität oder Wohnsitz der Gesuchstellenden, «auch muss kein spezieller Grund angegeben werden», heisst es gemäss dem zuständigen Bundesamt (BLW) über die Bedingungen für Gesuche, um amtliche Dokumente nach dem Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) einzusehen.
Die Ausnahme: Einsicht gibt es nicht, wenn «überwiegende öffentliche oder private Interessen einer Veröffentlichung entgegenstehen».
Dieser Satz beschert nun NZZ-Chefredaktor Eric Gujer einen geröteten Kopf. Denn was wurde eigentlich im Zoll-Deal des selbsternannten «Team Switzerland» mit dem erratischen US-Präsidenten Donald Trump ausgehandelt? Nach dem Besuch von fünf Herren im November 2025 im Oval Office lagen eine XXL-Rolex Tischuhr neben dem Präsidenten sowie ein Goldbarren auf dem Regierungstisch.
Mit im Team waren die Milliardäre Daniel Jäggi von Mercuria oder Alfred «Fredy» Gantner, Mitgründer der Partners Group. Dieser rechtfertigte am 28. November 2025 in der «Arena» von SRF den Zoll-Deal und die umstrittenen Geschenke und erklärte, dass das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) davon im Vorfeld gewusst habe.
Das «Team Switzerland» hat einen 15-Prozent-Zoll-Deal für die Schweiz aufgegleist, nachdem im Vorfeld ein Telefongespräch zwischen der damaligen Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter und Donald Trump ordentlich in die Hosen gegangen ist. Gantner lobte die FDP-Politikerin und auch gleich noch das Staatssekretariat für Wirtschaft unter der Leitung von Helene Budliger Artieda, deren Amt in der Sache federführend ist und immer gute Kontakte zur «Neuen Zürcher Zeitung» pflegt.
Federführend ist Budliger Artieda nun aber vor allem auch in der Abwehr von Gesuchen von Journalistinnen und Journalisten, um Akteneinsicht gemäss dem Öffentlichkeitsgesetz zu erhalten. Darüber berichtet Thomas Knellwolf im «Tages-Anzeiger» vom 16. Mai unter dem Titel «Seco-Chefin bremst Journalisten aus, NZZ gibt nach».
Die Spitzenbeamtin habe in den vergangenen Monaten «ungewöhnliche Methoden angewandt, um zu verhindern, dass Details zum Vorgehen des Amts im Steuerstreit mit den USA bekannt werden», so der Investigativ-Journalist. Die Staatssekretärin habe, teilweise mit Rückendeckung von Wirtschaftsminister Guy Parmelin, ungewohnte Schritte verwaltungsintern und auch gegenüber Medienschaffenden veranlasst.
Denn wer mit einer Ablehnung seines Gesuches nicht einverstanden ist, kann bei Adrian Lobsiger, Datenschutz und Öffentlichkeitsbeauftragter des Bundes (Edöb), eine Schlichtungssitzung verlangen. Aber auch Lobsiger hat Budliger Artieda kurzerhand abgetischt.
Das Seco stelle sich bis heute auf den Standpunkt, dass die Faktenlage klar und unbestritten sei, «da die öffentliche Bekanntgabe der Korrespondenz die aussenpolitischen Interessen der Schweiz beeinträchtigen würde», schreibt Knellwolf in seinem Artikel.
Und weiter: «In diesem ‚Spezial- und Ausnahmefall‘ sei leider eine Einsichtnahme nicht einmal für den Datenschutz und Öffentlichkeitsbeauftragten des Bundes möglich – ‚aus Irrelevanz- und Verhältnismässigkeitsgründen‘», heisst es.
Der Datenschutzbeauftragte empfahl aber die Unterlagen an die Redaktionen herauszugeben. «Das Seco ist mit den Empfehlungen des Edöb nicht einverstanden», antwortet das Staatssekretariat dem «Tages-Anzeiger» auf Anfrage.
Damit müssen nun alle vor Gericht gehen, um Einsicht gemäss dem Öffentlichkeitsgesetz zu erhalten. Das muss auch NZZ-Journalist Thomas Schlittler tun. Helene Budliger Artieda hat seinem Chef Eric Gujer empfohlen, die Gesuche zurückzuziehen, was intern gemäss Recherchen des Klein Reports per Befehl von oben nach unten durchgedrückt wurde.
Der sonst so staatsferne Gujer forderte den Wirtschaftsredaktor auf, die Gesuche zurückzuziehen. «Als Schlittler sich weigerte, wurde entschieden, dass er nicht mehr über den Zollstreit schreiben solle. Zuletzt hat er nur noch über Nebenaspekte des Dossiers berichtet», schreibt Knellwolf über die Verwerfungen innerhalb der NZZ-Redaktion.
Seine Gesuche beim Seco halte Schlittler aufrecht, «nun einfach ohne Unterstützung seines Arbeitgebers», schreibt Journalist Knellwolf.
Fazit des Klein Reports: Hut ab! vor einem Journalisten wie Thomas Schlittler.



