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Sonntag
12.04.2026

TV / Radio

Teure Aktion mit Head-Hunter Spencer Stuart

Teure Aktion mit Head-Hunter Spencer Stuart

Bei der SRG reorganisieren Berater den gebührenfinanzierten TV-Konzern. McKinsey ist schon länger tief drin, Personalberater Spencer Stuart durfte unter anderem den neuen SRG-Kommunikationsleiter suchen.

Ende Juni letzten Jahres präsentierte die SRG Markus Berger, einen Tourismusfachmann (60). Berger folgte auf Edi Estermann (61), der lange dem glücklosen SRG-Generaldirektor Gilles Marchand die Kommunikation gemacht hat.

Knall auf Fall war Berger nach nur acht Monaten wieder draussen. Die SRG kommunizierte nicht, erst auf mehrmalige Nachfrage des Klein Reports schrieb eine SRG-Mediensprecherin: «Markus Berger verlässt die SRG per Ende März, da seine Position im Zuge des Transformationsprozesses wegfällt.»

Das neue SRG-Kommunikationskonzept fusst auf einem neunseitigen Strategiepapier von Spencer Stuart, an dem gemäss «SonntagsBlick» vier Berater gearbeitet hätten. Die Kosten werden auf einen mittleren sechsstelligen Betrag geschätzt.

Das Berater-Papier beinhalte vor allem «viel SRG-Selbstbeweihräucherung». Die SRG werde als Garantin für «Solidarität, Meinungsbildung und Meinungsvielfalt» dargestellt. Und sie werde gemäss der Zeitung «zur pädagogischen Instanz ausgerufen, die ihr Publikum befähigen soll, ‚die Zukunft weitsichtig und vielfältig zu gestalten‘», wie es heisst.

Markus Berger hätte Susanne Wille helfen sollen, ein «starkes Narrativ» zu entwickeln. Gemäss Strategiepapier habe man eine Führungsperson mit Durchsetzungskraft, Eigeninitiative und Resilienz gesucht.

Auch der Klein Report hatte ein kleines Intermezzo mit Berger. Keine halbe Stunde nachdem ein Artikel zur SRG-Initiative auf dem Kommunikationsportal des Klein Reports am 27. Februar aufgeschaltet worden ist, keifte der SRG-Kommunikationschef in einem Mail rum. Denn im Text wurde Susanne Wille fälschlicherweise als SRG-Generalsekretärin benannt. Ganz offensichtlich falsch, keine Frage.

Markus Berger konstruierte schnell einen Case daraus: In der Einleitung zur Beschreibung eines Podiums mit dem «Tages-Anzeiger» «beschreiben Sie Susanne Wille als ‚SRG-Generalsekretärin‘. Das ist nicht nur respektlos, sondern vor allem faktisch falsch», so der Ober-Kommunikationschef. «Frau Wille ist die gewählte ‚Generaldirektorin der SRG SSR‘, und wir bitten Sie, diese Bezeichnung auch in Ihrer Berichterstattung korrekt zu verwenden.»

Berger kam von der staatlich finanzierten Tourismus-Organisation Schweiz Tourismus, wo er seit 2016 Kommunikationschef und für Public Affairs zuständig war. Zuvor leitete er die Kommunikation des Andermatter Tourismusprojekts in dessen ersten Jahren, wo er verantwortlich für den Aufbau der Kommunikationsstrukturen und die Positionierung des neuen Resorts war, wie die SRG über ihn schrieb.

Davor wiederum arbeitete er als Direktor und Studienleiter am Schweizerischen Public Relations Institut (SPRI). Das SPRI wurde im Juli 2012 eingestellt.

Vielleicht wäre das Profil von Markus Berger ja doch richtig, wenn es sich bei der SRG tatsächlich um eine Bildungsstätte handelt.

Für Susanne Wille sei das alles «ein kostspieliger Fehlgriff in einer Phase, in der sich die SRG solche Experimente eigentlich kaum leisten kann», schreibt der «SonntagsBlick» abschliessend.