Mit stolz geschwellter Brust vermeldet das SRF Rekordquoten zu den olympischen Winterspielen in Milano Cortina.
3,4 Millionen Menschen hätten mindestens einmal eingeschaltet, die Männerabfahrt mit Goldheld Franjo von Allmen sei mit fast 900’000 Zuschauerinnen und Zuschauern der grosse Renner gewesen. Marktanteile von über 80 Prozent, 35 Millionen Online-Visits, Bestwerte seit der Messumstellung 2013 – die Zahlen lesen sich wie ein Hochglanzprospekt in eigener Sache.
Dass SRF faktisch konkurrenzlos agieren darf, sei nur beiläufig erwähnt.
Doch der Zeitpunkt der Selbstbeweihräucherung ist heikel. Denn die SRG steht mitten im Abstimmungskampf um die «Begrenzungs-Initiative – 200 Franken sind genug». Offiziell geht es um Service public, Haushaltsabgaben und Effizienz.
Inoffiziell liefern die Olympia-Zahlen nun das perfekte Argument: Ohne SRF stehen Publikum und Sportlerinnen und Sportler im Schatten.
Diese Argumentationslinie wird zwar nirgends explizit gezogen – sie schwingt aber deutlich mit. Wenn Roland Mägerle, Leiter SRF Sport, betont, man habe «die Menschen in der Deutschschweiz begleitet und informiert» und gerade auch «bei jüngeren Personen grossen Anklang gefunden», dann ist das mehr als eine nüchterne Programm-Bilanz. Es ist ein politisches Signal an die Stimmbevölkerung: Kürzt uns nicht, wir liefern.
Kritiker dürften einwenden, dass ausgerechnet Grossereignisse wie Olympische Spiele kaum repräsentativ für den medialen Alltag sind – und dass hohe Quoten bei exklusiven Sportrechten wenig über die generelle Akzeptanz eines milliardenschweren Mediensystems aussagen. Umso auffälliger ist, wie offensiv SRF die Zahlen spielt.
Olympia als sportlicher Triumph – keine Frage. Olympia als unterschwellige Abstimmungshilfe – darüber müsste man auch reden.




