Der Abstimmungssonntag zur SRG-Begrenzungsinitiative könnte für den Service public zum Schicksalstag werden. Doch während draussen über Auftrag, Grösse und Finanzierung des Medienriesen entschieden wird, zelebriert man im Zürcher Leutschenbach drinnen eine vertraute Disziplin: Wir reden über uns selber – und gratulieren uns gegenseitig.
In der sonntäglichen Ausgabe von Late Night Switzerland empfängt Gastgeber Stefan Büsser ausgerechnet an diesem politisch aufgeladenen Tag die abtretende SRF-Direktorin Nathalie Wappler.
Kritiker sprechen von medialem Inzest – andere nennen es schlicht «Wir-über-uns-Journalismus».
Die Fragen liegen auf der Hand: Haben die Oberen der SRG nichts gelernt? Wird in der Late Night bereits der – aus ihrer Sicht – hoffentlich glimpfliche Ausgang der Abstimmung gefeiert? Oder nutzt Wappler die Bühne gar für einen hausinternen Primeur und verrät ihrem Gastgeber weltexklusiv den Namen ihres Nachfolgers?
Für Büsser wäre es nach turbulenten Tagen jedenfalls auch eine Form von persönlicher Psychohygiene. Der Satiriker gehörte zu jenen Schweizer Ferienreisenden, die zuletzt im Nahen Osten feststeckten und nur dank einer improvisierten Luftbrücke den Heimweg antreten konnten. Ein wenig Leutschenbach-Wellness dürfte da nicht schaden.
Wappler reiht sich damit in eine illustre Gästeliste ein, die mit Comedy oft nur unfreiwillig zu tun hat: Bundesrat Albert Rösti, Tennislegende Boris Becker, SVP-Präsident Marcel Dettling oder Entertainer Harald Schmidt.
Die letzte Pointe liefert derweil die politische Front. Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, hat die Sozialdemokratische Partei der Schweiz ihr Budget im Kampf gegen die Begrenzungsinitiative auf 1,6 Millionen Franken verdoppelt.
Man könnte also sagen: Die Unterstützung für den Service public wächst. Und im Leutschenbach feiert das Traumpaar mit Serafe-Geldern und Kinderchampagner.



