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Montag
18.05.2026

Marketing / PR

Geschäftsführer Moreno Cavaliere arbeitet noch bis 30. Juni für den VSRM... (Bild: zVg)

Geschäftsführer Moreno Cavaliere arbeitet noch bis 30. Juni für den VSRM... (Bild: zVg)

Der Verband Schweizer Regionalmedien (VSRM) wird per 30. Juni 2026 aufgelöst: Der Klein Report hat mit Geschäftsführer Moreno Cavaliere über die Gründe, den Verlust lokaler journalistischer Vielfalt und über den Kampf um mehr politische Anerkennung der regionalen Medien gesprochen. Cavaliere führte den VSRM mehrere Jahre.

Was sind die Gründe für die Auflösung des VSRM?
Moreno Cavaliere: «Diese sind vielfältig. Aber hauptsächlich folgen wir als einer der wenigen Verbände der Empfehlung verschiedener Bundesräte Leuthard, Sommaruga, Rösti sowie verschiedener Politiker oder Mitarbeiter:Innen des BAKOM doch mit einer Stimme vorzusprechen, wenn es um politische Themen wie Medienförderung etc. geht. Es ist in der Tat schwer nachvollziehbar, wenn zum Teil kleine Mediengruppen mit verschiedenen Kleinstverbänden versuchen ihre Partikularinteressen durchzubringen. Wir haben uns entschieden, uns dem VSM anzuschliessen, da wir schliesslich in Zukunft ebenfalls für journalistische Leistungen und nicht für Vertriebssysteme etc. entschädigt werden möchten.»

Warum ist es trotz steigender Reichweite nicht gelungen, den Verband langfristig zu stabilisieren?
Cavaliere: «Die Reichweite ist nicht gestiegen in den letzten Jahren. Im Gegenteil, es sind namhafte Titel  verschwunden oder wurden von Medienhäusern aufgekauft, welche ebenfalls schon Mitglieder des VSM sind. Ebenso sind 4 langjährige Mitglieder des VSRM ebenfalls schon immer auch VSM Mitglieder gewesen.»

Wenn selbst ein Medienverband die Kraft zur gemeinsamen Interessenvertretung verliert: Was sagt das über den Zustand der Regionalmedien in der Schweiz aus?
Cavaliere: «Dass die Regionalmedien, wie aber auch die überregionalen grossen Tageszeitungen grossen Herausforderungen ausgesetzt sind, ist bekannt. Da unsere Mitglieder aber ausschliesslich Gratiszeitungen sind, kann man sich leicht vorstellen, dass die wirtschaftlichen Herausforderungen gerade für die Gruppe von Produkten mit starkem Lokaljournalismus erst recht leiden, da sie ausschliesslich vom Werbemarkt finanziert werden. Ohne Medienförderung oder sonst welchen Einnahmen.»

Wie dramatisch ist aus Ihrer Sicht der Verlust lokaler journalistischer Vielfalt tatsächlich?
Moreno Cavaliere:
«Der Verlust von lokal starken Medien ist ein Drama und gefährdet unsere Demokratie. Das unterscheidet sich nicht zu den grossen Tageszeitungen.»

Was konnte der VSRM seit der Gründung 1990 konkret erreichen, das ohne Verband nicht möglich gewesen wäre? 
Cavaliere: «Es ist uns in all den Jahren gelungen, auch dank guten Beziehungen des aktuellen Präsidenten an die höchsten politischen Gremien zu gelangen und uns entsprechend Gehör zu verschaffen. Dazu ist eine Gemeinschaft entstanden, ich würde beinahe sagen eine Freundschaft, die sich regelmässig austauschen konnte in allen 3 Landesteilen. Und last but not least konnte ein Verbund geschaffen werden, der die Hohe Weihe auf den Lokaljournalismus spricht.»

Der Verband kämpfte um mehr politische Anerkennung der regionalen Medien und um Medienförderung, mit welchem Resultat? 
Cavaliere: «Siehe auch oben. Das war ein Kampf gegen Windmühlen (Medienförderung, Posttarife etc.). Die Anhörung und Platzierung der Themen ist uns gelungen. Das kurzfristige Resultat war aber schon immer wieder auch ernüchternd, da die Bereitschaft einer Änderung des Medienförderungsgesetzes diese Kategorie nicht in verdientem Masse berücksichtigte.»

Profitieren am Ende vor allem grosse Verlagshäuser wie unter anderem TX Group oder CH Media von der Medienförderung, während kleine Regionaltitel verschwinden?
Cavaliere: «Mit dem Medienförderungsgesetz, wie es nun für die nächsten 7 Jahre steht, ist das exakt so. Ich möchte aber betonen, dass wir mit der Angliederung einzelner Mitglieder an den VSM und seine hervorragende Organisation und den steten Austausch mit den grossen Medienhäusern in sehr professionellem und freundschaftichen Austausch sind. Und wer weiss, wie der Wind in 7 Jahren weht...»

War die Solidarität unter Regionalverlagen am Ende kleiner als der Konkurrenzdruck?
Moreno Cavaliere: «Nein die Solidarität war immer hervorragend und die Unterstützung und Mitarbeit der Mitglieder war ganz toll. Zumindest für die Zeit in der ich die Geschäftsführung inne hatte, kann ich das bestätigen.»