Die Pandemie hat bei der Gewichtung der Information bei mehreren TV-Angeboten zu einer sichtbaren Verschiebung geführt. Das konnte auch an der Screen-up diese Woche beim Vorstellen der kommenden Programme nicht unbemerkt bleiben. Am deutlichsten spiegelt sich der Paradigmenwechsel bei der Mediengruppe RTL.
Sascha Schwingel, Geschäftsführer bei VOX, fasste in der Halle 622 in Oerlikon die Neuausrichtung der Mediengruppe RTL zusammen mit den Worten: «Orientierung ist wichtiger geworden.» Ein bisschen eingedampft wurde die Unterhaltung, nachdem Bertelsmann in diesem Sommer die Grossfusion von RTL mit Gruner + Jahr realisiert hat.
Seither arbeitet RTL an einer neuen Profilierung. Langjährige Aushängeschilder wie Dieter Bohlen mussten gehen, dafür kamen etwa Jan Hofer und Pinar Atalay. Diese Stars wurden bei der ARD abgeworben und greifen nun mit «RTL Direkt» die «Tagesthemen» ihres ehemaligen Senders zeitgleich an. Der Start erfolgte am 16. August.
Damit geht RTL den Weg hin zu einem «newslastigeren, positiveren und familienfreundlicheren Programm» weiter, wie auch an der Screen-up mit verschiedenen Vorschauen deutlich wurde. «RTL ist auch Information. Denn Information war noch nie so gefragt wie aktuell.»
Sascha Schwingel versprach: «Guter Journalismus mit starken Köpfen, denen Deutschland vertraut. Wir berichten zuverlässig und mit Verantwortung.»
In der neuen Unit RTL News werden 1500 Journalistinnen und Journalisten Inhalte generieren. Das dafür vorgesehene News-Studio wurde an der Screen-up in einem kurzen Dokfilm vorgestellt.
Auch das Tagesprogramm wird anders werden. Neben einer neuen Ausgabe von «RTL Aktuell» um 16.45 Uhr wird es demnächst eine weitere Ausgabe von «Explosiv» um 17.00 Uhr geben. Zudem hat RTL das Journal «Punkt 12» um eine Stunde bis 15 Uhr verlängert. Reporter Felix Hutt, der vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zu RTL gewechselt ist, soll die Investigativ-Berichterstattung ausbauen.
Die inhaltliche Veränderung wird sich auch in einem neuen optischen Auftritt zeigen. Nach 29 Jahren Rot, Gelb, Blau im Logo ist nun Schluss. Im Rahmen des Projektes «RTL United» setzt die Sendergruppe auf Vielfalt. Das Rebranding bringt deshalb gleich mehrere neue Logos. Diese erstrahlen in verschiedenen Grün-, Blau-, Rot- und Gelbtönen. In Worten ausgedrückt: von allem ein bisschen.
Konkret erscheint das Logo auf jeder Plattform mit anderen Farben. Es soll damit laut RTL «die Vielfalt der Inhalte, Geschichten und Menschen» der Medienmarke widerspiegeln.
«Wir machen alle Farben zu unseren Farben», erklärte Bernd Reichart, Geschäftsführer der Mediengruppe RTL Deutschland bereits im Juni, als die Neuorientierung vorgestellt wurde. Nun wurde sie umgesetzt und bei der Screen-up auch in der Schweiz erstmals präsentiert. Die neuen Farben schmücken nicht nur RTL, sondern auch die Sender RTL Passion, RTL Crime und RTL Living.
Der fünfte Sender, der vom Logowechsel betroffen ist, wird RTLup sein. So heisst der Spartensender RTLplus ab sofort. Eine weitere Anpassung wird es am 3. November geben. Dann soll das Streamingportal TVNOW in RTL+ umbenannt werden. Vermutlich, um Verwechslungen zu vermeiden.
Der Abschluss der Transaktion Gruner + Jahr zu RTL zu einem Kaufpreis von 230 Millionen Euro ist für den 1. Januar 2022 vorgesehen.