Bei Peter Jacques (89) leuchteten die Sterne so hell wie auf dem Walk of Fame. Er hatte den Swing im Blut und das Leuchten in den Augen, wie Thomas Renggli in seinem Nachruf für den Klein Report schreibt.
Wenn sich Peter Jacques an den schwarzen Flügel in seinem Tonstudio im zürcherischen Ebmatingen setzte, erwachten längst vergangene Zeiten zu neuem Leben – als die Samstagabendshows im Fernsehen zum Pflichtprogramm gehörten und Moderatoren wie Joachim Fuchsberger, Hans-Joachim Kulenkampff oder Kurt Felix in jedem Wohnzimmer zu Hause waren.
Jacques blätterte in einem Album, in dem alte Zeitungsausschnitte eingeklebt sind – und erzählte aus den goldenen Zeiten der Unterhaltung: «Dieser Artikel stammt aus Schweden. Ich war der erste Ausländer, der an den Stockholm-Festspielen im königlichen Garten spielen durfte.»
Das war in den 1950er Jahren, als sich der Schweizer als Pianist in der internationalen Musikszene einen Namen machte und 1953 den ersten Preis als Solopianist am Jazzfestival Zürich gewann. Dass er danach in Schweden landete, war kein Zufall: «Dort bewegte man sich musikalisch auf einem weit höheren Niveau als im restlichen Europa.»
Der junge Künstler liess sich von dieser Atmosphäre inspirieren und entdeckte seine Fähigkeiten als Bandleader und Arrangeur. Wie weit er es damit bringen sollte, ist an den Wänden seines Tonstudios im Untergeschoss abzulesen. Auf den Bildern ist er mit einigen der Grössten der Musik- und Showgeschichte zu sehen: Ennio Morricone, Oscar Peterson, Quincy Jones, Leonard Bernstein oder Barbra Streisand.
In seiner Kindheit war Jacques mit der ganzen Härte des Lebens konfrontiert worden. Als Sohn einer Schweizerin und eines Russen wuchs er in Sudetendeutschland auf. «Wir hatten ein Klavier zu Hause, aber keinen Radioempfänger. Sonst wären wir vermutlich sofort verhaftet worden.» In den Kriegswirren wurde er in einem Lebertranfass in die Schweiz geschmuggelt: «Ich hatte viel Glück, aber noch heute wird mir übel, wenn ich Lebertran rieche», sagte er.
In Winterthur besuchte Jacques das Konservatorium, später entwickelte er sich zu einem der erfolgreichsten Jazzpianisten Europas. Er liess sich nach zehn Jahren Stockholm in München nieder, zog mit seiner Musik aber rund um den Globus: «Ich war bestimmt drei Viertel des Jahres unterwegs.»
Eines der schönsten Kapitel seiner Laufbahn wurde in der Schweiz geschrieben: 1973 übernahm Jacques zusammen mit Hans Moeckel die Leitung des legendären Unterhaltungsorchesters des Schweizer Radios DRS: «Ich war im richtigen Moment am richtigen Ort.» Es sollte ein Zustand von Nachhaltigkeit sein.
Privat zog er mit seiner Ehefrau Ursula nach Ebmatingen, hoch über dem Greifensee – und ging dort weiterhin seiner Leidenschaft nach: der Musik – in allen Facetten.
In der Schweiz stellte er eine Verarmung der Szene fest: «Universalmusiker gibt es kaum mehr.» Die Technik dominiere: «Mit den heutigen Hilfsmitteln kann ich aus Ihnen eine Sopransängerin machen.»
Selber musste er sich nichts mehr beweisen. Aber der Welt hatte er noch viel zu bieten: viel schöne Musik. Am 27. März 2025 schloss Peter Jacques die Augen für immer. Jetzt freuen sich die Engel über seine wunderbaren Klänge.