«Glanz und Gloria» in Buchform: Die Geschichte des ersten People-Formats im Schweizer Fernsehen ist im Helvetia-Verlag erschienen. Das Werk von Autor Thomas Renggli ist eine unterhaltsame Lektüre und ein Abbild der Schweizer Medienszene in den vergangenen 25 Jahren.
Am 29. März 2005 schlug im Schweizer Fernsehen die Stunde null. An jenem Tag feiert die erste People-Sendung in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen TV ihre Premiere: «Glanz und Gloria».
Allein der Name versetzt so manche Gebührenzahlende in Schockstarre. Wie können die nur am Zürcher Leutschenbach? Ist dies der neue Service public? Unter den wachsamen und kritischen Augen von Medien und Öffentlichkeit tritt die ehedem 29-jährige Aargauerin Nadja Zimmermann als Moderatorin ins Scheinwerferlicht und führt mit Charme und Eloquenz durch die achtminütige Sendung.
Die damalige SRF-Direktorin Ingrid Deltenre erinnert sich an die strategischen Absichten: «Es war unser Ziel, das Vorabendprogramm attraktiver zu gestalten, um den nachfolgenden Informationssendungen ‚Schweiz aktuell‘ und ‚Tagesschau‘ mehr Zuschauerinnen und Zuschauer zuzuführen.»
Hausintern wurde «G & G» wenig Nächstenliebe entgegengebracht. Daniel Pünter, Erfinder des Namens und erster Redaktionsleiter, erinnert sich: «Die Kolleginnen und Kollegen auf dem Gang schauten uns schräg an und fragten sich mehr oder weniger unverblümt: Was soll dieses ‚Gugus und gaga‘?»
Moderatorin Zimmermann erinnert sich an ihre damalige Durchhalteparole: «Augen zu – und durch. Es wird alles gut kommen.» Es kam gut; zumindest bis am 5. Februar 2025, als die SRF-Leitung das Ende des Formats kommunizierte – zwanzig Jahre nach der Premiere.
Gefühlt war «Gesichter und Geschichten», wie die Sendung seit 2020 heisst, zwar schon fünfmal abgeschafft worden. Doch das Format trotzte allen Stürmen. Nun aber soll im Sommer Schluss sein – nach über 6’000 Sendungen und mehr als 20’000 Beiträgen. SRF-Direktorin Nathalie Wappler sagt: «Ich bedaure den Entscheid, aber wir müssen unsere Mittel dorthin verlagern, wo die meisten Leute zuschauen.»
Für Erfinder Pünter waren der Namenswechsel und die Abkehr vom konsequenten Boulevardstil ein falsches Signal: «‚Glanz und Gloria‘ war eine Marke, die alle kannten. Wenn ich den Namen erwähnte, ging jedes Mal ein Raunen durch die Runde. Alle hatten eine Meinung – im Guten oder im weniger Guten.»
Dabei war «Glanz und Gloria» immer mehr als eine kommune TV-Sendung. «G & G» war Talentschmiede, Experimentierfeld und Geburtsort so mancher kreativer Rubrik. «Glanz und Gloria» hat einige der bekanntesten und beliebtesten Moderatorinnen und Moderatoren hervorgebracht.
Es etablierte das wohl populärste Spiel im Schweizer Fernsehen («Ich oder Du»). Und es gab immer wieder zu reden – beispielsweise, als sich die selbsternannte Jetset-Queen Irina Beller 2014 in High Heels auf dem Sofa räkelte, über den lauwarmen Champagner lamentierte und danach über den Moderator lästerte: «Dani Fohrler ist ein langweiliger Clown.» Und als Beller dem Gastgeber zum Abschied einen Zungenkuss verabreichen wollte, verfiel dieser (Gastgeber Fohrler) beinahe in Panik.
Diese Episode macht deutlich, was die Sendung noch immer bedeutet. Auch wenn sie von gewissen Kreisen konsequent belächelt wird, führte kein Weg an ihr vorbei. Sie spannte auf fast schon spielerische Weise den Bogen zwischen trivialer Unterhaltung und Kleinkunst. Oder wie es der Showmanager Freddy Burger sagt: «Für jeden Veranstalter einer Unterhaltungsshow gibt es in den Schweizer Medien vor allem einen Referenzwert: ‚G & G‘.»
Die 148 Seiten «Glanz & Gloria – Prominenz, Polemik und Pikantes» aus dem Helvetia-Verlag von Thomas Renggli sind jetzt im Handel erhältlich.