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Donnerstag
14.05.2026

TV / Radio

Tristan Brenn war nicht da... (zVg)

Tristan Brenn war nicht da... (zVg)

Der Fall Patrick Fischer wird für das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zunehmend zum publizistischen Stresstest.

Nicht wegen des gefälschten Covid-Zertifikats allein. Sondern wegen der Frage, wer bei der Aufarbeitung eigentlich wen kontrolliert. Und welche Rolle Ombudsfrau Esther Girsberger und SRF-Chefredaktor Tristan Brenn spielen.

Die Ombudsstelle der SRG Deutschschweiz hat mittlerweile 27 Beanstandungen gegen die SRF-Berichterstattung abgewiesen. «Weder sei die Darstellung reisserisch gewesen noch habe eine gezielte Kampagne gegen Fischer stattgefunden», heisst es im Schlussbericht.

Doch genau dort beginnt die Debatte. Denn die Ombudsstelle argumentiert auffallend defensiv zugunsten von SRF. Mehrfach betont sie, man prüfe «lediglich», ob Sendungen gegen das Radio- und Fernsehgesetz verstossen hätten. Fragen nach Fairness, Verhältnismässigkeit oder Persönlichkeitsschutz werden elegant ausgelagert.

Dabei räumt die Ombudsstelle selber ein, die Frage des öffentlichen Interesses sei drei Jahre nach Fischers Verurteilung «komplexer» gewesen.

Trotzdem habe «kein Element» die Redaktion gezwungen, «auf eine Berichterstattung zu verzichten».

Der Satz ist entlarvend. Nicht mehr die Frage, ob man berichten sollte, steht im Zentrum – sondern bloss noch, ob man berichten durfte.

Besonders heikel ist die Rolle von Ombudsfrau Esther Girsberger. Der Bericht wurde zwar «im Ausstand von Esther Girsberger» verfasst, weil sie «für die Vermittlung und Koordination von Auftritten von Patrick Fischer zuständig» gewesen sei. Doch ein Ausstand beseitigt nicht automatisch jeden Einfluss.

Ombudsstellen funktionieren nicht im luftleeren Raum. Oder mit anderen Worten: Wer an der Spitze steht, prägt Kultur und Haltung einer Institution.

Interessant ist immerhin ein kleiner Seitenhieb gegen die SRF-Führung. Die Ombudsstelle nennt es «verfehlt», dass Journalist Pascal Schmitz bei «10 vor 10» selber als Studiogast auftrat. Zuständig für den Entscheid sei die Redaktionsleitung gewesen. Und die glänzte in der Aufarbeitung des Falls durch Abwesenheit. SRF-Chefredaktor Tristan Brenn gönnte sich ein zweiwöchiges (!) Sabbatical.

So wird sichtbar, worum es tatsächlich ging: nicht bloss um Recherche, sondern auch um Inszenierung. Der Reporter wurde zum Gesicht der Affäre. Die Chefs blieben im Hintergrund.