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Freitag
02.01.2026

Medien / Publizistik

Kerzen auf Champagnerflaschen (Inst/Augenz.)

Kerzen auf Champagnerflaschen (Inst/Augenz.)

Das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) verschiebt die für Sonntag geplante Sports-Awards-Gala.

Die erfolgreichsten Schweizer Athletinnen und Athleten hätten in Zürich ausgezeichnet werden sollen, doch angesichts der Brandkatastrophe von Crans-Montana rückt der Sport in den Hintergrund.

Der Sender spricht von einem Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen. Ein neuer Termin ist offen. Bereits die Stadt Luzern hat wegen des Unglücks ihr alljährliches Feuerwerk abgesagt.

Die Schweiz steht seit der Silvesternacht unter Schock. Kurz nach Mitternacht brach im Club «Le Constellation» in Crans-Montana ein Feuer aus, rund 300 Menschen feierten dort den Jahreswechsel. Mindestens 40 junge Leute sind ums Leben gekommen, über hundert Personen wurden zum Teil schwerverletzt, einige lebensgefährlich.

Die Brandopfer wurden in Spezialabteilungen der Spitäler von Lausanne, Zürich und bis nach Marseille und Stuttgart geflogen. Die Notfallmassnahmen funktionierten gut. Doch viele Schicksale bleiben zunächst ungewiss. Verzweifelte Eltern suchen ihre Kinder und reisen von Spital zu Spital.

Am Tag danach liegt ein Dorf im Ausnahmezustand. Kerzen, Blumen, Umarmungen. Worte fehlen. In der Kirche drängen sich die Menschen dicht an dicht, die Stille ist schwer.

Crans-Montana, zuvor Inbegriff des sportlichen Erfolgs an den Ski-WM 1987, wird zum Symbol einer fassungslosen Nation.

Bundespräsident Guy Parmelin sagt seine Neujahrsansprache ab, ordnet Trauerbeflaggung an und reiste umgehend ins Wallis und nahm an den Pressekonferenzen teil.

In den sozialen Medien kursieren derweil Handyvideos, die das Ausmass der Dramatik erahnen lassen: junge Menschen, Sekunden zuvor noch ausgelassen feiernd, schreien um ihr Leben. Bilder, die erklären, weshalb das Bedürfnis nach rascher Information allgegenwärtig ist.

Zur Branddynamik äusserte sich Markus Grenacher, Präsident der Feuerwehrinspektorenkonferenz, gegenüber SRF. Als mögliche Ursache nennt er einen sogenannten Flashover – einen Feuersprung, bei dem sich angesammelte Rauchgase schlagartig entzünden. «Es brennt einfach alles», sagt Grenacher.

Für Menschen im Raum werde es innert Sekunden tödlich. Für Laien gebe es nur eine Devise: sofort raus, Tür zu, Feuerwehr alarmieren.

SRF berichtet im weiteren Verlauf mit journalistischer Sorgfalt. Das Geschehen wurde eingeordnet, die Sprache blieb dosiert.

Umso auffälliger war jedoch die Funkstille zu Beginn: In den ersten Stunden nach Bekanntwerden der Katastrophe fand das Ereignis auf den Hauptkanälen kaum statt. Wer sich informieren wollte, wich auf private Onlineportale aus oder verfolgte Medienkonferenzen im Livestream von blick.ch.

Auf SRF 1 lief «Sternstunde Religion», auf SRF 2 eine «Mamma Mia»-Wiederholung, auf SRF Info «Gredig direkt».

Die verschobene Sport-Gala wird damit auch zum Sinnbild eines medialen Dilemmas. Pietät ist Teil des Service public – ebenso wie Verlässlichkeit in der akuten Lage.

Gerade in Ausnahmesituationen erwartet das Publikum Präsenz, Orientierung und schnelle Einordnung. Sorgfalt bleibt zentral. Doch sie darf nicht zulasten der unmittelbaren Informationspflicht gehen.