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Montag
13.04.2026

TV / Radio

«Eine geschäftliche Verbindung zwischen SRF bzw. SRG und 'Das Zelt' besteht nicht», schreibt SRF auf Anfrage... (Bild: Screens. 10 vor 10)

«Eine geschäftliche Verbindung zwischen SRF bzw. SRG und 'Das Zelt' besteht nicht», schreibt SRF auf Anfrage... (Bild: Screens. 10 vor 10)

Neonfarben, Synthie-Sound und Schulterpolster: In der «10 vor 10»-Sendung vom 9. April präsentierte das Schweizer Fernsehen (SRF) die «The 80’s Live Show» der Wanderbühne «Das Zelt» als nostalgisches Spektakel – mit Produzent Sven Furrer als sympathischem Motor der Inszenierung.

Was komplett fehlte: die Realität hinter den Kulissen.

Denn «Das Zelt» steckt in gravierenden finanziellen Schwierigkeiten. Rechnungen bleiben liegen, Mitarbeitende warten auf Löhne, Sozialleistungen werden nicht bezahlt. Betreibungen in der Höhe von 2,5 Millionen Franken stapeln sich auf dem Schreibtisch von Chef Adrian Steiner, wie der Klein Report als erstes berichtete.

Dazu ist von einer Überschuldung in noch wesentlich höherem Ausmass die Rede. In den Vorstellungen bleiben die meisten Sitze leer – Besserung ist nicht in Sicht. Auch deshalb drohen Künstler mit Rückzug. Gemäss Recherchen des Klein Reports stehen Absagen von diversen Shows im Raum.

Eine heikle Situation, die in der Branche längst bekannt ist – aber im SRF-Beitrag kein einziges Mal erwähnt wurde. Statt kritischer Einordnung lieferte «10 vor 10» eine freundlich inszenierte Zeitreise – mehr Promotion als Journalismus.

Auf Nachfrage des Klein Reports, weshalb die finanziellen Turbulenzen mit keinem Wort erwähnt wurden, schreibt Lorena Sauter von der SRF-Medienstelle am Montag: «Der Fokus des Beitrags lag klar auf dem kulturellen Phänomen des 80er‑Retro‑Hypes und der Einordnung der damaligen Musik. Die finanziellen Schwierigkeiten von 'Das Zelt' zu thematisieren, hätte ein anderes journalistisches Format erfordert und war im Rahmen dieses Kulturbeitrags nicht vorgesehen». Die Redaktion sei über die wirtschaftliche Schieflage informiert.

Bemerkenswert ist auch die Rolle von Sven Furrer selbst. Der Produzent war bereits mehrfach für SRF unterwegs – unter anderem als Reise-Reporter in der DOK-Serie «12’378 km Australien», wo er mit einem Fernsehteam quer über den Kontinent geschickt wurde.

Gebührenfinanzierte Abenteuer statt kritischer Distanz. Dazu heisst es von der SRF-Medienstelle: «Die Themenwahl in '10 vor 10' erfolgte aufgrund des Inhalts der Show und nicht wegen Sven Furrer, der einer von zwei Produzenten ist und unabhängig davon regelmässig für SRF arbeitet».

Trotzdem: Gerade in Zeiten, in denen das öffentlich-rechtliche Fernsehen seine Glaubwürdigkeit verteidigen muss, wirkt der «10 vor 10»-Beitrag wie ein PR-Clip mit Nachrichtenetikette. Dass SRF einen umfangreichen Fragenkatalog des Klein Reports nur sehr selektiv beantwortet und selbst die Kommunikationsagenda bestimmt, entkräftet diesen Verdacht nicht. Summarisch hält SRF fest: «Eine geschäftliche Verbindung zwischen SRF bzw. SRG und 'Das Zelt' besteht nicht».

Oder anders gesagt: Die 80er-Show liefert Nostalgie. SRF erstellt die Kulisse. Und die Krise bleibt verschwiegen. Schöne, heile Welt.