Welche Wege führen aus der Zeitungskrise? Auf diese Leitfrage suchten Zeitungsmanager und Chefredaktoren von Sonntag bis Dienstag am Duisburger Zeitungskongress eine Antwort. Der Heidelberger Unternehmensberater Karl Malik sieht zum Beispiel nur einen Erfolg versprechenden Weg: «Die multimediale Zeitung ist faszinierend - und: sie ist ohne Alternative!» Der Zeitungsverlag, so das Credo seines Vortrags, muss sich als multimedialer Informationsbroker diversifizieren. Konzentration auf das Kerngeschäft und Nutzung aller Medienverbundmöglichkeiten, um den Leser zu erreichen - das ist die das Credo von Heinrich Meyer, dem Herausgeber der «Neuen Ruhr Zeitung»/«Neuen Rhein Zeitung». Sinnvolle Ansätze, das Kerngeschäft Zeitung über neue Geschäftsfelder weiterzuentwickeln, lehnt er nicht ab. Doch eine verjüngte Zeitung bleibt das Geschäftsmodell der Zukunft.
Volker Jeuther, Geschäftsführer der Verlagsgesellschaft Madsack, denkt bei neuen Geschäftsfeldern nicht nur an das Kerngeschäft Information, sondern auch an ihn Kommunikation (Messaging, SMS, E-Mail, MMS) und Transaktion (Ticketing, Home-Shopping, Home-Banking usw.). Das Verlagshaus kann sogar zum Anbieter von Business-Services (Special-Interest-Service, Supply-Chain-Management, Call-Center-Service u.a.) und Entertainment (z.B. Spiele, Dating, Wetten) werden. Selbst medienfremde Leistungen kann das Verlagshaus als Zusatzleistung zum Zeitungsabonnement anbieten - vom preisgünstigen Strombezug bis hin zur Unfallversicherung. «Mit Print, Online und ergänzenden Leistungen macht sich das Abo für den Leser bezahlt», bringt Jeuther seine Vision auf den Punkt.
Dies sieht Unternehmensberater Karl Malik ähnlich. Die Zukunft der gedruckten Zeitung liegt für ihn zwar in der Regionalisierung, im Lokalen. Doch wird die regionale Tageszeitung nur überleben, wenn sie die elektronischen Medien integriert. Gegen die Gratis-Informationsangebote im Internet kann sie sich wegen ihrer hohen Akzeptanz in Bezug auf Glaubwürdigkeit und Seriosität der Informationsquellen nachhaltig und beharrlich darstellen und so an Boden gewinnen. Der Rotstift ist für den auf die Medienbranche spezialisierten Unternehmensberater kein langfristiger Erfolgsfaktor, sondern nur sehr kurzfristig ergebniswirksam. Ohne eine positive Einstellung zu Veränderungen und ohne moderne Organisationsstrukturen nützt alle moderne Technik wenig.
Dienstag
29.04.2003