Die griechische Krise wirkt sich auch auf die Medien aus. Beim Netzwerk Recherche in Hamburg erzählte der griechische Journalist Tasos Teloglou, dass die schlechteren Arbeitsbedingungen der Medienleute einhergehen mit Schwarz-Weiss-Positionen. Für den Klein Report berichtet Publizist Roger Blum, emeritierter Professor für Medienwissenschaft.
An der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg berichtete der griechische investigative Journalist Tasos Teloglou über den Zustand des Journalismus in Griechenland. Teloglou war in den Neunzigerjahren Fernsehkorrespondent in Berlin und hat danach mehrere Bücher geschrieben, die auf investigativen Recherchen auf dem Balkan und in Griechenland beruhen. Heute arbeitet er für Skai-TV und für die Tageszeitung «Kathimerini» in Athen. Das Medienhaus Kathimerini ist in allen Medienbereichen aktiv.
Teloglou erzählte, dass die Auflagen der griechischen Zeitungen sänken, aber die Einschaltquoten des Fernsehens stiegen. Es werde weniger geboten, das merkten die Leute. Diese seien über die Zustände im Land richtig empört, und mittlerweile hätten Informanten daher auch weniger Angst, sich gegenüber Journalisten zu äussern. Er selber rufe bei heiklen Themen immer von Telefonkabinen aus an, doch selbst potente Unternehmer kämen inzwischen persönlich in die Redaktion, wenn sie etwas loswerden wollten.
Die Arbeitsbedingungen für die Journalisten haben sich laut Teloglou verschlechtert. Vor der Krise hätten die Medienschaffenden zwischen 19 000 und 21 000 Euro jährlich verdient, heute seien es noch 11 000 bis 13 000 Euro, sagte er. Sein eigener Lohn sei in den letzten zweieinhalb Jahren acht Mal gekürzt worden. Und Athen sei teurer als Hamburg.
Griechenland gehörte zu jenen Ländern, in denen die Medien, vor allem die Zeitungen, eng mit politischen Parteien verbandelt waren. Das habe sich zwar etwas verändert, sagte Teloglou, aber es gebe neue Verfilzungen: Jetzt seien es Bindungen zwischen den Medienunternehmen und bestimmten wirtschaftlichen Interessen. Solche Firmen oder Verbände wollten das Medium für ihre Anliegen nutzen.
Vor der Krise hätten Journalisten differenziert Stellung nehmen können, so Teloglou, nun müsse man immer klar Position beziehen. Es sei nicht mehr so leicht, beide Seiten zu beleuchten. Ihn hat ein Neofaschist auf offener Strasse zusammengeschlagen. Da die Zeugen Angst hatten zu reden, wurde der Täter nie bestraft.
Die Stimmung im Land zeigt auch folgende Episode, die Tasos Teloglou erzählte: Die Tageszeitung «Kathimerini» steuere in der Wirtschaftspolitik einen kapitalistischen Kurs (ähnlich wie beispielweise die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» oder die «Neue Zürcher Zeitung»). Vor den Wahlen habe man indes in der Redaktion eine Probeabstimmung durchgeführt: 80 Prozent der Redaktionsmitglieder hätten für Parteien links der Sozialdemokratie gestimmt.