Am Dienstagabend lud Adrian Steiner, Gründer und Chef des Showunternehmens Das Zelt, am Teuchelweiher in Winterthur Freunde, Partner und Prominente zum «Comedy Club» ein. Ein Netzwerk-Apéro, reservierte Tickets, bekannte Künstler wie Stefan Büsser, Fabian Unteregger oder Julia Steiner – alles wirkt wie gewohnt.
Doch hinter den Kulissen des traditionsreichen Showunternehmens brodelt es. Nach Informationen aus mehreren, voneinander unabhängigen Quellen steht Das Zelt finanziell ziemlich unter Druck.
Gemäss gut informierten Kreisen sind derzeit Honorare für Künstler, Techniker und weitere Mitwirkende einmal mehr ausstehend. Einzelne Beteiligte warten seit Wochen auf Zahlungen. Ein Insider spricht von leeren Kassen und davon, dass Firmenchef Adrian Steiner aktuell in Geldnöten sei. Zwar führe Steiner Gespräche mit potenziellen neuen Partnern und Geldgebern, doch vor Ende März sei kaum mit einer substanziellen Entspannung der Lage zu rechnen.
Besonders brisant: Auf Steiners Schreibtisch sollen sich bereits mehrere Betreibungen stapeln. Betroffen sind unter anderem Medienschaffende, die im Frühling 2025 für den Aufbau eines neuen Hochglanzmagazins rund um Das Zelt verpflichtet wurden. Das Projekt lief unter dem Arbeitstitel «Showtime», die publizistische Vision war ambitioniert – bezahlt worden sei bislang jedoch nur teilweise oder gar nicht, wie es aus Branchenkreisen heisst.
Der Kontrast könnte grösser kaum sein. Noch vor Kurzem inszenierte sich Steiner in Interviews als Architekt einer einzigartigen Schweizer Erfolgsgeschichte. Das Zelt, einst ein Nebenprodukt der Expo.02, sei heute – neben dem Circus Knie – das erfolgreichste und beständigste Showunternehmen des Landes. 20 Millionen Franken Umsatz, 27 Spielorte, Wachstumspläne bis nach Süddeutschland. Steiner sprach von Expansion, von Skalierung, von einer Schweiz, die «vielleicht zu klein» werde.
Nun aber scheint das fragile Geschäftsmodell eines nicht subventionierten Kulturbetriebs an seine Grenzen zu stossen. Hohe Fixkosten, parallele Produktionen, Vorfinanzierungen – und ein Markt, der empfindlich auf kleinste Störungen reagiert. Die Corona-Pandemie hatte das Unternehmen bereits schwer getroffen.
Für Adrian Steiner geht es am Dienstagabend um mehr als einen gelungenen VIP-Apéro um 18.30 Uhr und eine gute Vorstellung danach. Es geht um Vertrauen – bei Künstlern, Partnern und in einer Branche, in der der Vorhang schnell fällt, wenn hinter der Bühne das Geld fehlt.




