Content:

Donnerstag
27.02.2025

Medien / Publizistik

Fährt mit guten Gefühlen nach Muttenz: Sepp Blatter erwartet die Bestätigung des Freispruchs... (Bild: zVg, von Sepp Blatter)

Fährt mit guten Gefühlen nach Muttenz: Sepp Blatter erwartet die Bestätigung des Freispruchs... (Bild: zVg, von Sepp Blatter)

Ab Montag steht der langjährige Fifa-Präsident Sepp Blatter in Muttenz erneut vor Gericht. Doch die Fifa hat sich als Anklägerin gegen ihren früheren Chef zurückgezogen. Blatters Medienberater Thomas Renggli kennt die Details und nennt sie im Klein Report.

Das Strafjustizzentrum Muttenz ist kein Ort, an dem man freiwillig verweilt. Die klotzartigen Bauten mit kleinen Fenstern direkt neben dem Rangierbahnhof gelegen verströmen ungefähr so viel Wärme wie Eisberge im Polarmeer. Neben der Staatsanwaltschaft, dem Straf- und Jugendgericht sind hier auch die Zellen des basellandschaftlichen Gefängnisses untergebracht.

An diesem ungastlichen Ort werden der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter und sein Rechtsanwalt Lorenz Erni ab Montag während rund zweier Wochen den Grossteil ihrer Tage verbringen – wenn die Rekursverhandlung über Blatters Freispruch im Fall der Zweimillionen-Zahlung an den früheren Uefa-Präsidenten Michel Platini stattfindet.

Pikant: Am 10. März wird der Prozess für einen Tag ausgesetzt. Grund: Blatter wird dann 89 Jahre alt. Seinen Geburtstag will er aber nicht feiern: «Das hole ich nach, wenn das Verfahren ausgestanden ist», sagte er gegenüber dem Klein Report.

So oder so: Die Namen der Angeklagten lassen es erahnen. Muttenz befindet sich in den kommenden Tagen im Ausnahmezustand. Rund 30 Journalisten sind angemeldet. Um den öffentlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, musste (unter anderem) das Sicherheitskonzept ausgeweitet und das Parkplatzkontingent erhöht werden. «So etwas haben wir hier noch nie erlebt», sagt eine Sprecherin des Gerichts.

Es geht in der Verhandlung um Korruptionsvorwürfe und eine einmalige (Lohn-)Zahlung an den Ex-Fussball-Star Platini, der für die Fifa um die Jahrhundertwende als Berater tätig war.

Blatter spricht im Vorfeld der Verhandlungen von einer «Hexenjagd» und hält fest: «Ich blicke dem Berufungsverfahren mit Optimismus entgegen. Endlich wird die Sache geklärt.» An den Fakten habe sich seit 2022 nichts geändert: «Der Vertrag zwischen Platini und der Fifa war korrekt – er ging durch alle Instanzen. Und Platini hat das Salär versteuert und Sozialleistungen darauf bezahlt. Ich erwarte nichts weniger, als dass der Freispruch bestätigt wird».

Zu diesem Schluss war ein Verfahren im Jahr 2022 vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona gekommen.

Am kommenden Montag beginnt alles von vorne – allerdings mit Vorteilen für Platini und Blatter. Die Fifa, die sich ursprünglich an der Beschwerde der Bundesanwaltschaft beteiligt hatte, liess sich für die gesamte Dauer des Verfahrens in Muttenz suspendieren. Offenbar hat Blatters Nachfolger Gianni Infantino das Interesse am Fall verloren zu haben. Ausserdem hat keine der Parteien neue Zeugen geladen.

So stehen sich ab Montag faktisch zwei Bundesinstanzen gegenüber: die Bundesanwaltschaft und das Bundesstrafgericht. Gefordert sind ausserdem drei (per Losentscheid ausgewählte) Richter (aus den Kantonen Baselland, Solothurn und Zug), die zu einem Auftritt kommen, mit dem sie vermutlich nie gerechnet hätten: Sie stehen plötzlich im Fokus der internationalen Medien und können weltberühmt werden. Wie sehr sie von diesem Gedanken beseelt sind, dürfte einen nicht unwesentlichen Einfluss auf das Urteil haben.

Das Verdikt des Gerichts wird am 25. März erwartet.