Marc Walder (60) hat ein Interview gegeben. Eigentlich hätte das aber Michael Ringier (77) tun müssen.
Denn am Gründonnerstag kam die Meldung, dass Robin Lingg (46), der für die Nachfolge als Verwaltungsratspräsident (VRP) von Ringier vorgesehen war, per sofort zurücktritt.
Der Neffe von Michael Ringier, der neben Roman Bargezi die Gründerfamilie in sechster Generation vertritt, war bisher operativ und als VRP der Ringier Sports Media Group (RSMG) tätig, die erst im Sommer 2022 als Tochter der Schweizer Ringier AG gegründet worden ist.
«Das Bestreben der RSMG, aussergewöhnliche Inhalte zu liefern, modernste Technologien zu nutzen und strategische Partnerschaften zu schmieden», schrieb der Vermarkter nach einem Jahr am Markt. Das habe das Unternehmen «an die Spitze der Branche in Bulgarien, Serbien, Rumänien, Ungarn, der Slowakei und Portugal gebracht», was auf 9 Sportportale in Ost- und Südeuropa bezogen ist.
Nun hat sich der Ringier-Verwaltungsrat mit Michael Ringier aber gegen Robin Lingg ausgesprochen, wie es im Lead der «NZZ am Sonntag» heisst, bevor ein Interview mit Ringier-CEO Marc Walder unter der Schlagzeile «Nur drei Medien überleben» losgeht.
Im Kontrollgremium sitzen seit ihrem 25-Prozent-Einstieg bei der Ringier AG am 3. Februar 2020 Urs Berger (74) und Michèle Rodoni (57) vom Versicherungskonzern Mobiliar. Rodoni leitet den als Genossenschaft organisierten Konzern seit 2021. Berger war von 2003 bis 2011 auch CEO und danach bis Mai 2023 oberster Chef vom Ganzen, Präsident der Verwaltungsräte der Genossenschaft und der Holding. Im Ringier-VR blieb er.
Die Mobiliar ist zudem auch direkt bei der Online-Anzeigenplattform Swiss Market Place Group (SMG) eingestiegen, wo Ringier und die Mobiliar nach deren Börsengang im September 2025 Kasse gemacht haben.
In dem zehnköpfigen VR sitzt auch ein weiterer Sohn von Evelyn Lingg-Ringier, der Schwester von Michael Ringier: Roman Bargezi. Er leitet das Family Office Ribali AG. Wie Robin Lingg vertritt auch der IT-Fachmann die sechste Generation im VR.
Wie geht es nun weiter nach dem Knall, was war geschehen? In der «NZZ am Sonntag» werden «gut informierte Kreise» genannt, gemäss denen man sich «gegen die Krönung des Erbprinzen ausgesprochen habe». Robin Linggs Leistungsausweis nach 13 Jahren im Ringier-Management sei zu bescheiden ausgefallen.
Mit dessen Ausscheiden stelle sich die Frage, wie lange die Herausgeberin des «Blicks» und der «Schweizer Illustrierten» in Familienbesitz bleibe, orakelt die Zeitung. Neben Lingg gebe es keine weiteren Anwärter auf eine Führungsposition.
Die erste Frage an Ringier-CEO Marc Walder ist denn auch, wie es zu diesem Bruch gekommen sei? «Das ist kein Bruch, sondern ein Entscheid, der von Robin Lingg und allen Involvierten sehr bewusst und nach reiflicher Überlegung getroffen wurde. Robin Lingg hat sich nach 13 Jahren in der Ringier-Gruppe entschieden, dass er in Zukunft eigene Projekte verfolgen will.»
Ringier Sports Media Group sei nicht vom Fleck gekommen. Ob ihm das zum Verhängnis geworden sei, fragen Beat Balzli und Guido Schätti bei Walder nach. «Robin Lingg hat in unterschiedlichen Funktionen für die Ringier-Gruppe gearbeitet. Begonnen hat er vor 13 Jahren mit dem Aufbau unseres Afrika-Geschäftes. Danach übernahm er das digitale Marktplatz-Geschäft.»
Dort habe Lingg einen «entscheidenden Beitrag für die Realisierung der heutigen Swiss Marketplace Group (SMG)» geleistet. Und zuletzt habe er die Sportmediengruppe aufgebaut.
«Diese agiert hinter den Erwartungen. Nicht wegen seiner Leistung. Sondern wegen regulatorischer Einschränkungen im Sportwettenmarkt, einem wichtigen Werbeauftraggeber von Sportmedien», so Walder.
Mit dessen Ausscheiden sei der Fortbestand von Ringier als Familienunternehmen gefährdet, schreibt die «NZZ am Sonntag» und stellt die Frage an den falschen Adressaten mit dem CEO. Ob nun Ringier an eine Private-Equity-Firma verkauft werde? Statthalter Walders Antwort: «Ringier ist eines der traditionsreichsten Familienunternehmen der Schweiz. Bald 200 Jahre alt. Daran ändert sich nichts.»




