Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) warnt davor, dass die Pressefreiheit das erste Opfer des Putschs in Ägypten werden könnte. Schon bevor Verteidigungsminister Abd al-Fattah al-Sisi den Präsidenten Mohammed Mursi am Mittwoch für abgesetzt erklärt hat, habe die Armee Offiziere in den Redaktionsräumen des Staatsfernsehens postiert, um die Berichterstattung zu überwachen und gegebenenfalls einzugreifen, teilte die Organisation mit.
Bereits unmittelbar nach dem Sturz von Mursi habe der ägyptische Innenminister drei Fernsehsender schliessen lassen, die dem politischen Lager des Präsidenten zugerechnet werden, so ROG weiter. Betroffen sind der Sender der Muslimbruderschaft Misr 25 und die salafistisch orientierten Sender Al-Nas und Al-Hafez.
Die Reporterorganisation berichtet zudem von einer Razzia in den Redaktionsräumen von Al-Jazeera Mubasher Misr, einem lokalen Ableger von Al-Jazeera. Dort seien nach Angaben des Senders fünf Mitarbeiter vorübergehend festgenommen worden.
Die ersten Schritte unter den neuen Machthabern würden fatal an die Regierungszeit des Obersten Militärrats nach dem Sturz von Mubarak erinnern, als die Armee die Repressionen gegen Journalisten nicht nur fortgesetzt, sondern sogar verschärft hätte, so ROG.
«Armee und Übergangsregierung in Ägypten müssen sofort ihre Übergriffe gegen die Medien einstellen», forderte deshalb der ROG-Geschäftsführer Christian Mihr. «Es wäre eine traurige Ironie, wenn die Pressefreiheit zum ersten Opfer des Machtwechsels würde.»