Im Parlament ist derzeit eine Vorlage hängig, die die Subventionen der journalistischen Ausbildungsgänge neu aus dem Gebührentopf der Radio- und TV-Abgabe finanzieren würde statt wie bisher aus dem Bundeshaushalt.
Davon betroffen ist auch die Schweizer Journalistenschule MAZ in Luzern. In der grossen Umfrage des Klein Reports spricht Martina Fehr, Chief Executive Officer am MAZ, über die anstehende Veränderung bei den Subventionen, die Konkurrenz mit den Fachhochschulen und die Zöpfe, die das MAZ im 2024 abgeschnitten oder neu geflochten hat.
Wie sieht das Marktumfeld des MAZ im Ausbildungsbereich Kommunikation und Journalismus zurzeit aus?
Martina Fehr: «Das MAZ hat sich mit seinen praxisorientierten Aus- und Weiterbildungsangeboten als feste Grösse für Kommunikationsfachleute sowie Medienschaffende etabliert. Trotz der anhaltenden Sparmassnahmen in der Branche, dem sehr schwierigen letzten Jahr, bleiben die Buchungen unserer Angebote bemerkenswert stabil. Diese Beständigkeit führen wir nicht zuletzt auf die klare und gezielte Ausrichtung unseres Angebots zurück: Die zweijährige Diplomausbildung oder die Lehrgänge im Bereich Radio und TV sind ausschliesslich für angehende Journalistinnen und Journalisten mit einer festen Anstellung in einer Redaktion zugänglich. In der Kommunikation liegt der Fokus auf Glaubwürdigkeit und hoher Praxistauglichkeit. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist unsere Lernkultur. Kleine Klassen ermöglichen einen engen Austausch mit Dozierenden, die direkt aus der Praxis kommen. Diese persönliche und familiäre Atmosphäre ist eine Stärke, die uns von Fachhochschulen und Universitäten abhebt, wo eine derart direkte Betreuung selten gegeben ist.»
Die journalistische Grundausbildung wird vom Bund gefördert. Die grösseren Medienhäuser haben zum Teil eigene Weiterbildungsangebote, teils als «Akademien» benannt, gegründet. Ist dies eine Konkurrenz für das MAZ?
Fehr: «Das MAZ erhält für die journalistische Grundausbildung – darunter die zweijährige Diplomausbildung Journalismus, den Studiengang Fotografie sowie die Angebote für elektronische Medien – Subventionen vom Bundesamt für Kommunikation (Bakom). Im Vergleich zu den grösseren Medienhäusern stellen die Angebote der Fachhochschulen eine sehr viel stärkere Konkurrenz dar. Während das MAZ über 80 Prozent seiner Finanzierung selbst erwirtschaftet, sind Fachhochschulen zu einem ähnlichen Anteil staatlich subventioniert und können Bachelorausbildungen zu deutlich niedrigeren Kosten anbieten.
Mit den Medienhäusern stehen wir in einem guten Austausch, hervorzuheben ist die Kooperation mit der CH Media Academy oder auch der NZZ im Bereich ihrer Ausbildungsoffensive ‚Digitales Wissen‘.»
Wie wirkt sich das im Einzelnen für das MAZ aus?
Martina Fehr: «Studierende berichten uns häufig, dass sie sich aus Kostengründen für ein Bachelorstudium an der ZHAW, Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, oder der FH Graubünden entschieden haben. In Bezug auf die Studienkosten können wir mit diesen Angeboten nicht konkurrieren. Ein grosser Teil unserer Studierenden in der Diplomausbildung absolviert zunächst ein Bachelorstudium – entweder an einer Fachhochschule oder einer Universität – und kommt anschliessend, nach dem Einstieg in den journalistischen Beruf, ans MAZ.»
Im letzten Herbst gab es eine Vernehmlassung zur parlamentarischen Initiative von Isabelle Chassot über Fördermassnahmen zugunsten der elektronischen Medien. Die ständerätliche Kommission hat der Initiative diese Woche zugestimmt. Wie könnte das MAZ von dieser Initiative profitieren?
Fehr: «Die Vernehmlassung ist sehr positiv verlaufen, was sehr erfreulich ist. Diese parlamentarische Initiative, die im weitesten Sinne die ‚unbestrittenen‘ Massnahmen aus der abgelehnten Medienförderung aufgreift, wäre sowohl für das MAZ als auch für andere unabhängige Ausbildungsstätten wie das Centre de Formation au Journalisme et aux Médias (CFJM) in Lausanne oder den Corso di Giornalismo della Svizzera italiana in Lugano von Vorteil. Die Finanzierung für diese Fördermassnahmen würde aus dem Ertrag der Abgabe für Radio und Fernsehen entrichtet werden. Diese Änderung macht die Unterstützung für die Aus- und Weiterbildung von Journalistinnen und Journalisten weniger anfällig gegenüber den jährlichen Einsparungen, die im Rahmen des allgemeinen Bundesbudgets diskutiert und wohl auch umgesetzt werden. Mit dieser Anpassung könnten die Mittel effektiv und nachhaltig wirken und damit die Qualität im Journalismus sowie auch die Vielfalt der Medienlandschaft sichern – was wichtige Ziele der Initiative sind.»
Gibt es einen vergleichbaren Trend im Ausbildungsmarkt für die kommerzielle Kommunikation?
Martina Fehr: «Nein. Die Angebote des Bereichs Kommunikation am MAZ werden nicht durch staatliche Subventionen unterstützt – und dies ist auch richtig so.»
Wie ist das Verhältnis von Kommunikation und Journalismus beim MAZ in puncto Angebot, Teilnehmende und Einkünfte?
Fehr: «Die Einnahmen aus den Kursangeboten sind derzeit ziemlich ausgewogen und verteilen sich etwa im Verhältnis 50:50. Im Bereich Journalismus ist die Angebotspalette breiter und die Preise werden subventioniert. Im Gegensatz dazu ist das Angebot im Bereich Kommunikation weniger umfangreich, jedoch sind die Preise hier höher, da keine Subventionen fliessen. Der Anteil der Teilnehmenden hat sich im vergangenen Jahr verteilt auf 61% im Bereich Journalismus und 39% im Bereich Kommunikation.»
Welche Entwicklungen erwarten Sie im 2025 am MAZ?
Martina Fehr: «Wir stellen fest, dass sich der Trend zu kurzfristigen Anmeldungen weiter verstärkt. Teilnehmerinnen und Teilnehmer entscheiden sich zunehmend spontan für Weiterbildungen, was eine flexible Planung und schnelle Anpassung der Angebote erfordert. Wir müssen noch agiler und flexibler reagieren, sei es bei der Kursplanung oder bei der Kommunikation mit Interessierten.»
Und was wird bei den Angeboten wichtiger werden?
Fehr: «Ein besonders starkes und anhaltendes Interesse beobachten wir bei Themen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Journalismus und in der Kommunikation. Die Nachfrage zeigt, dass viele Fachleute sich mit den Chancen und Herausforderungen dieser Technologie auseinandersetzen möchten. Hier bietet das MAZ praxisorientierte Kurse, die sowohl Grundlagen vermitteln als auch vertiefte Einblicke in spezifische Anwendungen wie automatisierte Berichterstattung, Datenanalyse, Ideenfindung oder rechtliche und ethische Fragen im Umgang mit KI geben.»
Der Jahreswechsel ist immer eine gute Gelegenheit, das Bestehende zu überprüfen, gegebenenfalls alte Zöpfe abzuschneiden und sich neue Ziele zu stecken. Was möchten Sie im 2025 mit dem MAZ konkret erreichen?
Martina Fehr: «Im vergangenen Jahr haben wir viele Zöpfe abgeschnitten oder neu geflochten: Die Geschäftsleitung wurde neu strukturiert, interne Prozesse überarbeitet und umfassend digitalisiert. Nun geht es darum, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen: Ein zentraler Meilenstein ist die Umstellung unseres ERP-Systems auf eine moderne Cloud-Lösung sowie die Einführung eines Learning-Management-Systems, das unsere Bildungsangebote noch effizienter und zukunftsorientierter macht. Darüber hinaus ist es das Ziel, in diesem Jahr die strategischen Initiativen abzuschliessen, die der Stiftungsrat im vergangenen Jahr angestossen hat. Diese Initiativen setzen wichtige Impulse für die Zukunftsfähigkeit des MAZ und schaffen eine solide Grundlage für unsere nächsten Entwicklungsschritte.»
Gibt es auch Dinge, die Sie am MAZ womöglich aufgeben wollen oder müssen, um Ressourcen freizumachen oder Platz für Neues zu schaffen?
Fehr: «In der Weiterbildung überprüfen wir unser Portfolio kontinuierlich und passen es den Bedürfnissen des Marktes an. Entscheidend ist dabei die Nachfrage: Angebote, die über einen längeren Zeitraum nicht gebucht werden, nehmen wir aus dem Programm oder überarbeiten sie inhaltlich, um sie wieder attraktiv und relevant zu machen. Unser Ansatz ist dabei flexibel und zielorientiert. Wir unterliegen keinen Restriktionen hinsichtlich des Umfangs unseres Angebots, was es uns ermöglicht, bedarfsgerechte und innovative Kurse zu entwickeln, die den aktuellen Anforderungen von Branche und Teilnehmenden entsprechen.»
Wie sind Sie persönlich ins neue Jahr gestartet?
Martina Fehr: «Mit viel Bündner Bergsonne und grosser Vorfreude auf all das, was wir in diesem Jahr bewegen werden.»