Ein Jahr nach dem Amtsantritt des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zieht Reporter ohne Grenzen (ROG) eine ernüchternde Zwischenbilanz. Seit Mursi sein Amt übernommen habe, schreibt die Presseorganisation in einem Kommuniqué, «werden Journalisten reihenweise mit Klagen überzogen, diffamiert oder angegriffen». Dabei würden der Präsident und seine Anhänger die Stimmung gegen Medienschaffende aktiv anheizen.
Zwar sei nach der Revolution eine Vielzahl neuer Zeitungen und anderer Medien entstanden, doch seien viele davon von politischen und unternehmerischen Interessen ihrer Besitzer beeinflusst, so ROG. Zusammen mit einer eingeübten Kultur der Repression und Selbstzensur, teils mangelhaften journalistischen Standards und der zunehmenden politischen Polarisierung Ägyptens ergebe das «eine explosive Mischung».
«Präsident Mursi hat die historische Chance vertan, die Dynamik des Arabischen Frühlings zu einem klaren Bruch mit der repressiven Politik des alten Regimes gegenüber kritischen Journalisten und Medien zu nutzen», kommentierte ROG-Geschäftsführer Christian Mihr am Donnerstag.