Während die US-Kinos mit massivem Rückgang zu kämpfen haben, war das Schweizer Kinojahr 2002 erneut sehr erfolgreich. Die Besucherzahlen stiegen um 10%, die Einnahmen um 11,5%. Doch der Schweizer Film kriselt leider weiter. Mit 18,8 Millionen Eintritten (Vorjahr: 17,1 Mio.) und Kinoeinnahmen von 262 Mio. Franken (Vorjahr: 235 Mio.) ist 2002 das seit über einem Jahrzehnt erfolgreichste Kinojahr in der Schweiz, wie dem neuen Jahresheft «Facts & Figures 2002» des Branchenverbandes ProCinema in Bern zu entnehmen ist.
Allerdings haben seit letztem Jahr grosse Verschiebungen stattgefunden. Das US-Kino ist mit einem Marktanteil von nur noch 54,5% an einem Tiefpunkt angelangt. Letztes Jahr lag der US-Anteil noch bei 66,5%, im Jahr 2000 gar bei 76%. Entsprechend profitiert hat das europäische Kino, das erstmals einen Marktanteil von über 35% aufweist. Der Löwenanteil geht dabei an Grossbritannien (14%) und Frankreich (11%). Die Schweiz hat sich mit einem Marktanteil von 3,4% zwar etwas verbessert (2001: 2,7%), liegt im europäischen Vergleich aber nach wie vor weit hinten.
Unter den erfolgreichsten zehn Filmen des Jahres stammen fünf nicht aus den USA, darunter die ersten drei. Das hat es noch nie gegeben. Erfolgreich waren Grossbritannien mit «Harry Potter» und dem Bond-Abenteuer «Die Another Day» auf den Spitzenplätzen und Neuseeland mit den ersten beiden Teilen von «Lord of the Rings» auf den Rängen drei und acht. Ins Kino gebracht wurden diese Erfolgsfilme jedoch von den Verleih-Ablegern der US-Major-Companies in der Schweiz. Von den erfolgreichsten zehn Filmen des Jahres waren neun im Verleih eines Major-Ablegers; von den ersten zwanzig sind es siebzehn. Jedenfalls haben sich die vier Major-Ableger in der Schweiz (Warner Bros., Buena Vista, UIP und 20th Century Fox) mit einem Marktanteil von 64% (Vorjahr: 57%) markant steigern können. In die restlichen 36% teilen sich knapp 25 unabhängige Verleiher, darunter Monopole Pathé, Elite und Filmcoopi mit Marktanteilen von über 5%.
Insgesamt kamen letztes Jahr in der Schweiz 354 neue Filme ins Kino. Mit 45 Titeln zeigte Filmcoopi am meisten neue Filme, gefolgt von Frenetic mit 37 und Monopole Pathé mit 36. Die vier US-Majors hingegen brachten nur zwischen 14 und 27 neue Titel ins Kino, jedoch mit deutlich mehr Besuchern pro Film. Die Gesamtzahl der 2002 verliehenen Titel, also auslaufende Filme und Reprisen mit eingeschlossen, betrug letztes Jahr 1384, etwa gleich viel wie im Vorjahr. 442 Filme oder 32% kamen dabei aus den USA, und nicht weniger als 207 Filme oder 15% aus der Schweiz. Fast jeder sechste Film im Kino ist also ein einheimischer Titel, womit die Schweiz aber nur einen Marktanteil von 3,4% erreicht.
Mit der Dialektkomödie «Ernstfall in Havanna» - mit 310`000 Eintritten auf Platz 14 der Jahresliste - lief jedoch letztes Jahr der erfolgreichste einheimische Film seit über einem Jahrzehnt. Mit «Mani Matter - Warum syt dir so truurig?» - mit 99`000 Eintritten auf Platz 51 - war zudem auch ein Dokumentarfilm erfolgreich. Die Zahl der Kinos (337, Vorjahr: 334), der Leinwände (511, Vorjahr: 508) und der Sitzplätze (107`320, Vorjahr: 108`025) hat sich letztes Jahr kaum verändert. Auch der Eintrittspreis blieb mit durchschnittlich Fr. 13.95 (Vorjahr: Fr. 13.75) praktisch konstant. Am meisten kostet ein Kinoeintritt in Zürich (Fr. 15.30), am billigsten ist er in Nidwalden (Fr. 11.90).
Montag
07.04.2003