Als ein Zürcher Lokalpolitiker kürzlich in den Sozialen Medien schrieb «1. April 2026: Wahlzeitung zu den Zürcher Gemeindewahlen 2026 erhalten», hielten das viele für einen Scherz.
Auf Nachfrage versicherte er den Kolleginnen und Kollegen seiner Partei: «Bei mir steckte heute tatsächlich die Wahlzeitung im Briefkasten. Passender Tag für dieses Tsüri.»
An dieser Stelle ein wichtiger Hinweis für Nicht-Zürcherinnen und Nicht-Zürcher: Wahltermin in der Limmatstadt war am 8. März 2026, die Erneuerungswahlen standen an. Und das besagte Tsüri-«Sondermagazin» sollte gemäss Verlagsversprechen «Anfang Februar per Promopost an alle Haushalte im jeweiligen Wahlkreis in Zürich versendet werden».
«Zum ersten Mal produziert das Stadtmagazin Tsüri.ch für die Wahlen ein gedrucktes Sondermagazin für die ganze Stadt und für alle Wahlkreise», promotete das stark von der Stadt Zürich unterstützte Online-Magazin im Vorfeld der Wahlen. «Das Magazin enthält redaktionelle Inhalte. Daneben haben Sie als Kandidat:in die Möglichkeit, ein bezahltes Porträt (Publi-Reportage) zu schalten. Als Partei können Sie Inserate schalten», heisst es im Inserate-PDF von Tsüri, bei dem die Projektleitung bei Jonas Kappner lag.
Inzwischen ist mehr als ein Monat verstrichen seit dem Wahlwochenende. Und noch immer befinden sich etliche Exponenten der Zürcher Lokalpolitik im Clinch mit den Verantwortlichen des Online-Magazins Tsüri.
Wer vor der Begleichung der Inseraterechnung auf ein Belegexemplar bestanden hat, erhielt dieses erst am 1. April. Wer hingegen angesichts des völligen Zustellchaos, bei dem nur die wenigsten Haushalte eine Wahlzeitung erhalten haben, eine Reduktion der Rechnung verlangt hat, wartet bis heute vergeblich auf eine neue Rechnung.
Was den Kandidierenden besonders sauer aufstösst: Wenn die Macher von Tsüri ausnahmsweise kurz und knapp per E-Mail ein Lebenszeichen von sich geben, fehlt in der Mailsignatur jedes Mal eine direkte Telefonnummer. Man kommuniziere nicht gerne beim Online-Medium, wie mehrere Lokalpolitiker gegenüber dem Klein Report erklärten.
Die Redaktion des Klein Reports hat kurz nach dem Schlamassel bei Patrik R. Brunner, Wahlkampfleiter der FDP Stadt Zürich, nachgefragt, wie es nach dem komplett verfehlten Tsüri-Aussand weitergeht, zumal die Lokalpolitiker dem Magazin für die Publikation etwas zahlen mussten. «Wir haben eine einvernehmliche Lösung gefunden und vereinbart, keine Details zu den Konditionen zu kommunizieren», sagte Brunner auf Anfrage des Klein Reports.
Wahlkampfleiter Brunner hat nach eigenen Angaben für seine Partei über 22'000 Franken in die Wahlzeitung gesteckt.
Das Impressum des Sondermagazins mit einer Gesamtauflage von 240’000 Stück ist gezeichnet vom «Komitee zur Steigerung der Wahlbeteiligung in der Stadt Zürich», Tsüri AG & Verein für Kultur, Gesellschaft und Bildung Zürich.
Beim Online-Magazin Tsüri duckt man sich weg. Auf mehrmalige Telefonate und Mail-Anfragen des Klein Reports antwortete bis heute niemand.
Das gleiche Prozedere bei der deutschen Druckerei DCM Druck Center Meckenheim GmbH, auch hier antwortete niemand auf Anfragen des Klein Reports.



