Die Sonne schien, es war angenehm warm, als sich am Donnerstagnachmittag die Verwandten, Freunde und Weggefährten von Karl Lüönd (12. Mai 1945 – 9. Februar 2026) vor dem Winterthurer Stadthaus zur Trauerfeier versammelten. Die Beisetzung des legendären Journalisten und Autors hatte im engsten Familienkreis stattgefunden.
«Wir danken Kari dafür, dass er sein enormes Wissen stets mit uns geteilt hat, seine Grosszügigkeit, seinen Humor, seine Beharrlichkeit, für sein Talent, Geschichte zu erzählen, für seine Beständigkeit», hiess es in der Todesanzeige. «Wir verlieren einen grossherzigen Lebensgefährten, Vater, Nonno, Farfar und unbeirrbaren Kämpfer für mehr gemeinsame Zeit. Wir vermissen Dich.»
Ein folkloristisches Trio eröffnete mit sanften Gitarrenklängen in beschwingtem, subtilem Groove auf besonderen Wunsch des Verstorbenen den Klassiker «Zoge-am-Boge» mehrstimmig im Innerschweizer Dialekt. Lüönd war in Altdorf, Uri, geboren. Die Mutter habe ein sehr fröhliches Wesen gehabt, der Vater war Arbeiter in der ansässigen Munitionsfabrik, wie sein Sohn Gabriel Vetter, Schriftsteller und Comedian, ausführte.
«Kari wollte, dass man seine Todesnachricht mit folgenden Worten bekannt gibt», sagte der Kabarettist in seiner herzlichen und humorvollen Rede. «Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass ich heute den Schirm zugemacht habe.» Und er wollte auf keinen Fall, dass etwas in einer Kirche stattfinde. «Der ehemalige Schüler bei den Benediktinern habe eine allzu grosse Dosis Pfaffentum abgekommen. Das reiche übers Leben hinaus», zitierte Vetter seinen Vater. Das Winterthurer Stadthaus nannte er denn auch «Palast der Demokratie».
Journalist Constantin Seibt (ehemals «Tages-Anzeiger», heute bei der «Republik») erzählte in launigen Worten Anekdoten aus dem reichhaltigen Fundus des Verstorbenen.
Die Beschreibung des Elefanten passe perfekt zu Lüönd: Figur, dicke Haut, unglaubliches Gedächtnis. Oder er erinnerte an die Story zu den Problemen im Zürcher Bauamt. Einem Primeur in der «Züri Woche», in dessen Folgen der damalige Chef der Zürcher Baupolizei, Günther Tschanun, fünf seiner Mitarbeiter erschoss. Lüönd sei mit seiner Publikation über das Verbrechen mitschuldig, hiess es damals boshaft.
Der unermüdliche und unfassbar produktive Schaffer Lüönd hat in seinem 80-jährigen Leben an die 60 bis 80 Bücher geschrieben. Dazwischen mit Verleger Beat Curti eine dritte Sonntagszeitung aus dem Boden gestampft, die er leitete, ebenso die aus dem «Züri Leu» entstandene «Züri Woche».
Constantin Seibt: «Für ihn sei Journalist ein zwiespältiger und seltsamer Beruf gewesen. Sein einziger Sport war laut dem Verstorbenen, Joggern hinterherzugehen.» Gelächter. «Sein Credo: Du kannst immer der Intelligenz des Publikums vertrauen. Aber, Du kannst auch stets mit dessen Vergesslichkeit rechnen.» Für Sohn Gabriel war er ein bodenständiger Nerd.
Noch im letzten Herbst, so seine Mitstreiterin am MAZ, Sylvia Egli von Matt, habe Kari bei einem Essen im Hotel Montana in Luzern gemeint, «mein Tod ist nicht mehr weit entfernt.» Wichtig war für den Dozenten am MAZ, dass seine Journalisten-Schüler nicht in Schubladen denken und sich selber nicht in solche stecken lassen sollten. «Kari, zuweilen auch ein Poseur, lebte, um zu schreiben, hartnäckig, stark, intelligent.» Er gab allen sein Wissen preis nach dem Motto, «nicht nur Eier zu legen, sondern dazu auch zu gackern.»
Das Leichenmahl fand nach der Trauerfeier im Casinotheater Winterthurer statt. Fast alle der 200 Teilnehmer kamen, darunter neben der Familie viel Prominenz wie Esther Scheidegger Zbinden, Karis langjährige Lebenspartnerin, Fibo Deutsch, Viktor Giacobbo, Fabienne Hadorn, Gabriel Vetters Comedian-Partnerin, Walter Frey (Emil Frey AG), Hans-Peter Rohner, Silvia Affolter, Walti Lutz, Radio-1-Chef Roger Schawinski, Toni Vetterli, Jean-Pierre Ritler und Vater Seppi Ritler sowie Urs Schneider, Mediaschneider AG und viele Journalistinnen und Journalisten wie Andreas Panzeri, Georges Müller oder Vivianne Berg.



