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Dienstag
10.02.2026

Medien / Publizistik

Der Doyen des Schweizer Journalismus ist im 81. Lebensjahr verstorben... (Bild: zVg)

Der Doyen des Schweizer Journalismus ist im 81. Lebensjahr verstorben... (Bild: zVg)

Karl Lüönd war einer der letzten grossen Erzähler des Schweizer Printjournalismus. Einer, der das Tempo kannte – und bewusst verlangsamte. Einer, der wusste, dass zwischen Schwarz und Weiss nicht Grauzonen liegen, sondern Geschichten. 

Er brachte sie wie kaum ein Zweiter zu Papier – analytisch, sachlich, gradlinig. Nun ist der Doyen des Schweizer Journalismus im 81. Altersjahr verstorben. Den Tod bestätigte seine Partnerin Esther Scheidegger-Zbinden gegenüber dem Klein Report am Dienstag.

Geboren am 12. Mai 1945 in Flüelen, wuchs Lüönd in bescheidenen Verhältnissen im Kanton Uri auf. Früh wusste er, was er wollte: schreiben. Nicht als Poesie, sondern als Handwerk. Seine journalistische Laufbahn begann klassisch, fast beiläufig – mit Polizeimeldungen für das «Luzerner Tagblatt», bezahlt mit ein paar Franken pro Einsatz. Doch schon in diesen frühen Texten zeigte sich, was ihn später auszeichnen sollte: Genauigkeit, Neugier und ein Gespür für Menschen.

Lüönd traf den Journalismus in einem historischen Zeitfenster, das er selber einmal als «Glücksfall» bezeichnete. Mitte der 1960er-Jahre war das Fernsehen noch jung, das Internet nicht einmal eine Ahnung, und Zeitungen brauchten Platz – für Inhalte, nicht für Klicks. Es war die grosse Epoche des gedruckten Wortes, und Karl Lüönd wurde zu einem ihrer prägenden Vertreter.

1974 wechselte er zum «Blick», wo er als stellvertretender Chefredaktor das journalistische Handwerk von der Pike auf verfeinerte.

Später übernahm er die Chefredaktion des «Züri Leu» und gründete 1982 die «Züri Woche», die er 17 Jahre lang leitete – zeitweise auch als Verleger. Es war eine Phase, in der lokale Geschichten, zweite Ebenen und leise Hintergründe mehr galten als der schnelle Effekt. Lüönd beherrschte diese Kunst wie kaum ein Zweiter.

Er war kein Lautsprecher, sondern ein Zuhörer. Einer, der Interviews nicht führte, sondern entstehen liess. Der wusste, dass die entscheidenden Sätze oft erst nach dem offiziellen Gespräch fallen. Sein Gespür für Zwischentöne war legendär – und prägend für Generationen jüngerer Journalistinnen und Journalisten.

Ab 1998 arbeitete Lüönd selbständig, leitete das Medieninstitut des Verbands Schweizer Medien und schrieb Bücher – viele Bücher. Rund 30 Sachbücher und Unternehmensbiografien stammen aus seiner Feder, darunter Werke über Emil Frey, Gottlieb Duttweiler, Karl Schweri, Ringier, die Baloise oder das Kinderspital Zürich. Bis zuletzt arbeitete er an einem Buch über die Familiengeschichte von Emil Frey.

Noch zu seinem 80. Geburtstag sagte Lüönd im Gespräch mit dem Klein Report den Satz, der nun wie eine leise Überschrift über seinem Leben steht: «Glück gehabt und vom Leben gelernt.» Es war keine Koketterie, sondern Dankbarkeit. Für den Beruf. Für die Zeit. Für die Menschen.

Karl Lüönd hinterlässt seine Partnerin Esther Scheidegger-Zbinden. Und er lebt weiter – in seinen sieben Enkeln, in seinen Texten, in seinem Verständnis von Journalismus als öffentlichem Dienst. Als Übersetzer der Welt. Als jemand, der wusste, dass man Kompliziertes einfach erklären muss – und Einfaches nie banal.

Mit Karl Lüönd verliert der Schweizer Journalismus eine seiner prägendsten Figuren. Und die Schweiz verliert eine grossartige Persönlichkeit und einen herzensguten Menschen.