Offene Rechnungen, Betreibungen in Höhe von über 2,5 Millionen Franken und verunsicherte Künstler: Beim Schweizer Tourneetheater Das Zelt rumort es gewaltig.
Nun reagiert Gründer Adrian Steiner mit einer ungewöhnlichen Massnahme: Das Publikum soll sich finanziell am Unternehmen beteiligen.
In der Schweizer Showbranche wird seit Tagen über die finanzielle Lage von Das Zelt gesprochen. Der Klein Report hat als erstes über die finanziellen Probleme des Unternehmens berichtet.
Mehrere Festangestellte, Künstler, freie Mitarbeitende und Lieferanten warten nach Informationen aus Branchenkreisen immer noch auf ausstehende Zahlungen. Gemäss Recherchen des Klein Reports beläuft sich die Betreibungssumme inzwischen auf 2,5 Millionen Franken.
Hinter vorgehaltener Hand wird schon länger über Zelt-Gründer Adrian Steiner gesprochen. Insider zeichnen das Bild eines Unternehmers mit grosser Show und starken Partnern im Hintergrund – doch nun scheint die finanzielle Realität das Unternehmen einzuholen. Auch die Pandemie dürfte dem Unternehmen arg zugesetzt haben.
Einen detaillierten Fragenkatalog des Klein Reports zur finanziellen Situation liess Steiner am Donnerstagmorgen unbeantwortet. Stattdessen verschickte das Unternehmen am Donnerstag eine Medienmitteilung mit dem Titel: «DAS ZELT stärkt Kapitalbasis und beteiligt erstmals Publikum am Unternehmen.»
Konkret will das Tourneetheater erstmals Partizipationsscheine ausgeben. Unterstützer können sich laut Mitteilung ab dem 26. März bereits ab 250 Franken beteiligen.
«Mit den Partizipationsscheinen geben wir unserem Publikum die Möglichkeit, Teil unserer Geschichte zu werden und gemeinsam mit uns die Zukunft des Live-Entertainments zu gestalten», lässt sich Adrian Steiner zitieren.
Das Unternehmen räumt gleichzeitig ein, dass es zuletzt zu finanziellen Engpässen gekommen ist. «In den vergangenen Monaten kam es aufgrund saisonaler Schwankungen zu einem temporären Liquiditätsengpass», heisst es. Auch «Zahlungsverzögerungen» werden eingeräumt. Trotzdem betont Steiner: «Seit der Gründung hat DAS ZELT stets alle Rechnungen bezahlt.
Am Donnerstagnachmittag meldete sich auf erneute Anfrage des Klein Reports Mediensprecher Reto Hütter - mit heftigen verbalen Aussetzern. Bei der Organisation liegen die Nerven offenbar blank.
Das Beteiligungsmodell sorgt in der Kulturszene für Stirnrunzeln. Offiziell gibt sich das Unternehmen optimistisch. Das Programm laufe «ohne Einschränkungen weiter», und die Nachfrage sei weiterhin hoch.
Ob die neue Finanzierungsrunde das traditionsreiche Tourneetheater stabilisieren kann – oder ob sie nur Zeit kauft –, dürfte sich jedoch erst in den kommenden Monaten zeigen.



