Ein falsches Zitat, ein heikler Zeitpunkt – und eine Politikerin, die sich weigert zu schweigen. Der Fall um Elisa Catanho, der Präsidentin der Küsnachter SP, wirft ein Schlaglicht auf Medienmacht, politische Einflussnahme und demokratische Wachsamkeit im Kleinen.
Es beginnt mit einem Satz, der so nie gesagt wurde. Im «Küsnachter Boten» vom 12. Februar heisst es, die SP Küsnacht zeichne «ein positives Bild» der Arbeit des Gemeinderats. Eine ausgewogene, beinahe wohlwollende Bilanz – ausgerechnet kurz vor den Erneuerungswahlen vom 8. März.
Doch Elisa Catanho widerspricht. Klar und schriftlich. «Eine solch positive Bilanz wäre nie in meinem Sinn gewesen», schreibt sie. Ihre Antworten seien selektiv, aus dem Zusammenhang gerissen und inhaltlich falsch wiedergegeben worden.
Was nun als «Richtigstellung» angekündigt ist, bestätigt ihren Einwand: Die SP kritisiert Massenkündigungen langjähriger Mieterinnen und Mieter, schleppende Sanierungen gemeindeeigener Wohnungen und strukturelle Defizite in der Wohnraumpolitik. Das ist keine Detailkritik – sondern eine grundsätzliche Wertung. Die ursprüngliche Darstellung hatte diese Schärfe weitgehend ausgeblendet.
Besonders heikel ist ein weiterer Punkt: Laut Catanho teilte ihr der Autor telefonisch mit, ihre Stellungnahme sei vor der Publikation an Gemeindepräsident Markus Ernst weitergeleitet worden – «zur Kenntnisnahme». Sie habe diese Weitergabe nicht akzeptiert - ausdrücklich.
Damit steht mehr im Raum als ein redaktioneller Fehler. Es geht um journalistische Unabhängigkeit – und um die Frage, wer Einblick in Oppositionspositionen erhält, bevor sie gedruckt werden.
Für Küsnacht ist dies aber kein Neuland. Bereits 2025 entbrannte eine Debatte über Pressefreiheit, nachdem die allseits beliebte frühere Zeitung «Küsnachter» den Auftrag für amtliche Inserate verlor und ihre Redaktionsleiterin freigestellt wurde. Bürger forderten Aufklärung und ein Redaktionsstatut für den neuen «Küsnachter Boten». Der Gemeinderat lehnte ab.
Elisa Catanho hätte den oben erwähnten Artikel hinnehmen können. Stattdessen insistiert sie auf Korrektheit. Ohne Lärm, ohne Pathos – aber mit Haltung. In einer Zeit, in der demokratische Standards im Lokalen leise verschoben werden, ist das viel.
Die gebürtige Portugiesin verdient Respekt und Anerkennung – als die tapfere Stauffacherin aus Küsnacht.



