Olympische Spiele leben nicht nur von Medaillen, sondern auch von spektakulären und skurrilen Mediengeschichten.
In Cortina d’Ampezzo wurde eine davon abseits der Piste geschrieben: Die US-Rodlerin Sophia Kirkby avancierte innert weniger Tage zur medialen «Olympia-Bachelorette» – und macht aus einem sportlichen Nebenschauplatz ein internationales Boulevardthema.
Die 24-Jährige, im erstmals ausgetragenen Doppelsitzer am Start, erklärt sich selbstbewusst zur «begehrtesten Junggesellin im olympischen Dorf». Sie spricht offen über ihr Dating-Leben, den Valentinstag, geplante Aktivitäten auf Dating-Apps – und formuliert ihr Ziel unbescheiden als Suche nach «Gold und einem Gentleman». Eine Steilvorlage für Medien weltweit.
In den USA griffen zunächst «USA Today» und die «Los Angeles Times» das Thema auf. Letztere entsandte gar einen Reporter zu einem Rodeltraining – obwohl dieser mit der Sportart bislang kaum vertraut war. Auch ein kanadisches Reporterteam reiste wegen Kirkby nach Cortina. Die Geschichte wanderte rasch von der Sport- in die Lifestyle- und Boulevardberichterstattung.
Internationale Unterhaltungsmedien stilisieren Kirkby zur Mischung aus Leistungssportlerin und Dating-Show-Protagonistin. Ihre Offenheit, auch Fans als potenzielle Dates nicht auszuschliessen, verstärkt den viralen Effekt zusätzlich.
Auch in der Schweiz verfallen die Medien ins olympische Dating-Fieber. Über Tamedia-Titel wie «Tages-Anzeiger», «Berner Zeitung», «Basler Zeitung», «24 heures» und «Tribune de Genève» fand die Geschichte Verbreitung, flankiert von Agenturmeldungen und Online-Portalen. Rodeln – sonst ein Randthema – erhält damit ungewohnte Aufmerksamkeit.
Ob Sophia Kirkby Cortina mit einer Medaille, einem (männlichen) Wanderpokal oder nur mit maximaler medialer Sichtbarkeit verlässt, ist fast zweitrangig. Die Bühne jedenfalls gehörte ihr.
Und vielleicht spricht sie ja – als grosses Happyend – anstelle des olympischen Eids den Schwur der Liebe.




