Inmitten der schwersten Krise der Musikindustrie schafft die Bertelsmann-Tochter BMG die Trendwende. Zu verdanken hat sie das in erster Linie den «Superstars». Die Teilnehmer der RTL-Sendung «Deutschland sucht den Superstar» bringen derzeit - begleitet von einer abgestimmten Vermarktungsmaschine im Hause Bertelsmann - bei BMG viel Geld in die Kassen. «Wir rechnen in diesem Jahr in jedem Fall wieder mit einem steigenden Umsatz», sagte Thomas Stein, Präsident der BMG im deutschsprachigen Raum, gegenüber der dpa am Montag. In den vergangenen fünf Jahren waren die Erlöse des Unternehmens im Gleichschritt mit der Branche zurückgegangen. Im ersten Quartal stiegen die Erlöse dank den «Superstars» in Deutschland um etwa ein Viertel. In der vergangenen Woche besetzten drei BMG-Künstler die ersten drei Plätze der offiziellen deutschen Single-Charts: An der Spitze die «Superstars» Alex und Daniel. Dieser doll laut einem «Bild»-Artikel allerdings schon bald beim Militär einrücken.
Dennoch: Bei Bertelsmann weiss man, dass der derzeitige Erfolg die Probleme der Branche nur kurzzeitig überlagern wird. Zwar erwarte man noch eine Menge Solo-Alben der Finalisten Alexander, Daniel und Juliette, aber irgendwann wird dieses «Superstar»-Fieber sich wieder legen. Die Musikindustrie leidet seit einiger Zeit unter der weltweiten Konjunkturflaute und unter illegalen Software-Downloads im Internet. Da Marktführer BMG (Deutschland-Umsatz 2002: 237 Mio Euro) von den «Superstars» profitierte, seien bei den anderen die Einbrüche sogar noch stärker ausgefallen, so die dpa. Der Zwang zur Konsolidierung könnte sich beschleunigen: Einigen Plattenfirmen drohe das Aus.
Montag
14.04.2003