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Dienstag
15.04.2003

Die Zeitung zu jeder Zeit aktuell auf einem papierähnlichen Monitor lesen? Den Bildschirm einfach zusammenrollen und in die Tasche stecken? Wer möchte das schon nicht. Seit den 80er Jahren wird diese Vision in die Nähe möglicher Wirklichkeit gerückt. Nun könnte dies tatsächlich Realität werden. Im Rahmen einer breiten internationalen Zusammenarbeit gelang es ETH-Forschenden des Departements Materialwissenschaft, stabile Feldeffekt-Transistoren auf Basis polymerartiger Werkstoffe zu entwickeln: das A und O zusammenrollbarer Bildschirme. Das bisherige Handycap der Forschung bestand darin, dass die Materialien nicht nur gut verarbeitbar sein müssen, sondern auch während der Fabrikation und des Gebrauchs stabil gegen Luft, Wasser und Lichteinstrahlung. Nahezu alle organischen Polymere und Oligomere, die für entsprechende Anwendungen ins Auge gefasst wurden, erfüllten jedoch diese Bedingungen nicht.

Dr. Walter Caseri und seinem Team der Gruppe Polymertechnologie, die von Professor Paul Smith am Departement Materialwissenschaft geleitet wird, ist es nun gelungen, «anorganisch/organische Hybrid-Verbindungen herzustellen, die sich in einer polymerartigen, quasi-eindimensionalen supramolekularen Struktur anordnen», wie das Team in einer Medienmitteilung vom Dienstag bekannt gab. Das von ihnen aufgezeigte Prinzip könnte den Weg für die Entwicklung von verarbeitbaren, stabilen chemischen Strukturen ebnen, die als entscheidende elektronische Komponenten im Bildschirm- und Anzeigenbereich geeignet sind. Trotz des Platinanteils sind sie nicht nur sehr viel günstiger, sondern auch biegsam und zusammenfaltbar. Damit wird es möglich sein, die Tageszeitung online über einen flexiblen Bildschirm zu lesen. Auch das Anbringen von Mini-Anzeigen und Sicherheitsmerkmalen an Verpackungen, die wichtige Kundeninformationen enthalten, wäre kostengünstig realisierbar. Kurz: Die Vision der zusammenrollbaren Bildschirmzeitung rückt ein Stück näher.