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Dienstag
15.04.2003

Nach massiven Kursverlusten haben die Universität von Kalifornien und ein weiterer Grossinvestor den weltgrössten Medienkonzern AOL Time Warner wegen Bilanzfälschung und Betrugs verklagt. Das Unternehmen habe die Einkünfte von AOL im Geschäftsjahr 2000/2001 um 1 Mrd. Dollar zu hoch angegeben, heisst es in der am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Klageschrift. Zudem seien die Zahlen der Werbekunden und Abonnenten von AOL geschönt worden, um den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Die Universität in Los Angeles hat nach eigenen Angaben durch den Kursrutsch nach der Fusion von AOL und Time Warner 450 Mio. Dollar verloren. Der zweite Kläger, ein Investmentfonds der Amalgamated Bank in New York, macht einen Verlust von 55,9 Mio. Dollar geltend.

Beide Kläger beschuldigen führende Unternehmensvertreter, unter ihnen den früheren Konzernchef und heutigen Verwaltungsratsvorsitzenden Steve Case sowie CNN-Gründer Ted Turner, die wirtschaftlich fragwürdige Fusion aus Eigennutz vorangetrieben zu haben: Fünf Konzernbosse hätten durch Aktienoptionen nach dem Zusammenschluss insgesamt 1,7 Mrd. Dollar eingestrichen. Davon habe Steve Case, der sein Amt als Verwaltungsratschef im Mai abgeben will, 157 Mio. Dollar kassiert; für den ehemaligen Chef des TV-Senders MTV, Bob Pittman, seien 94 Mio. Dollar abgefallen. AOL Time Warner äusserte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen. Seit der Fusion im Januar 2001 hat die Aktie der Gruppe 78% ihres Werts eingebüsst.