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Montag
24.08.2026

Medien / Publizistik

Auf Augenhöhe mit den Schönen und Prominenten: Jack Stark und Uschi Glas geniessen den Moment… (Bild: zVg)

Auf Augenhöhe mit den Schönen und Prominenten: Jack Stark und Uschi Glas geniessen den Moment… (Bild: zVg)

Er kannte sie alle – von Alfred Hitchcock über Grace Kelly bis zu Sean Connery. Doch vor allem war er ein Gentleman der Feder, ein Mann von grosser Bildung und Respekt.

Ein Nachruf des Klein Reports von Thomas Renggli.

Nun ist Dr. iur. Jack Stark im 91. Lebensjahr verstorben. Die Schweizer Medienwelt verliert den Pionier und Erfinder des People-Journalismus.

Es war die Ära, als der Boulevard noch Eleganz besass und Journalismus viel mit Fingerspitzengefühl, Diskretion und Kultur zu tun hatte. Mittendrin: ein promovierter Jurist aus Zürich, der eigentlich Herbert hiess, seinen Spitznamen dem Fussballer Jacky Fatton verdankte und sich mit der Gelassenheit eines Mannes gab, der sich nichts mehr zu beweisen hatte.

Wie seine Tochter Liza Stark gegenüber dem Klein Report am Montagnachmittag bestätigte, ist Jack Stark am Sonntag im 91. Lebensjahr verstorben. Er hinterlässt seine Ehefrau Susanne sowie seine drei erwachsenen Töchter Alexandra, Liza und Nina.

Mit Jack Stark geht nicht nur der «Erfinder des Schweizer People-Journalismus», sondern ein grosses berufliches wie menschliches Vorbild. Ein hochgebildeter Geist, der das Parkett der Prominenz mit meisterhafter Distanz und feinem Humor betrat.

Seine beispiellose Karriere begann 1964 eher beiläufig am Filmfestival Locarno. Stark traf einen befreundeten Fotografen und verfasste spontan ein paar Bildlegenden für den «Blick». Die Zeilen waren derart pointiert, elegant und scharf beobachtet, dass die Ringier-Macher sofort wissen wollten, wer hinter dieser Feder steckte.

1965 beförderte man ihn zum ersten Promi-Reporter des Landes.

Seine Kolumne «Mit Chasseur dabei» wurde rasch zum Pflichtstoff und Tagesgespräch. Stark war wie ein versierter Jäger – der «Chasseur» –, der fast immer das Ziel traf, aber nie verletzte. Von Heidi Abel über Sonja Ziemann bis zu Weltstars: Wer Rang und Namen hatte, begegnete ihm.

Während andere in der Gruppe auftraten, suchte Stark das persönliche Gespräch. «Von Rudeljournalismus hielt ich nichts. Pressekonferenzen konnte man auslassen. Am Schluss schrieben alle das Gleiche», blickte er einst zurück.

Starks Geschichten entstanden nicht an Konferenztischen, sondern in den späten Stunden im Hotel «Baur au Lac», wo er mithelfen sollte, die legendäre Disco Diagonal zu etablieren. Er war dabei, als Mick Jagger nach dem chaotischen Rolling-Stones-Konzert im Hallenstadion 1967 vom Türsteher des Zürcher Nachtklubs «High Life» wegen «ungepflegten Aussehens» abgewiesen wurde. Er spielte in Cannes Tennis gegen Anthony Quinn (und verlor vornehm 0:6, 0:6). Alfred Hitchcock verriet ihm unter vier Augen seinen persönlichen Lieblingsfilm («Shadow of a Doubt»), und als er sich James-Bond-Darsteller Sean Connery 1966 mit den Worten «My name is Stark – Jack Stark» vorstellte, rang er selbst dem sonst so wortkargen Schotten ein Schmunzeln ab.

Auch musikalisch hinterliess er Spuren: 1969 schrieb er für die junge St. Gallerin Paola Del Medico den Text zu «Bonjour, bonjour». Sie belegte beim Eurovision Song Contest den 5. Platz – der Startschuss zu einer grossen Schlagerkarriere. 1988 gehörte er zu den ersten Gratulanten, als eine gewisse Céline Dion in Dublin für die Schweiz den Contest gewann.

Trotz des Glanzes der grossen Welt blieb Jack Stark im Herzen stets bodenständig. «Ich bin eigentlich ein Bünzli. Ich war zwar oft mit Prominenten zusammen, aber wirklich zu ihnen gehört, habe ich nicht», sagte er einmal in bescheidener Selbsteinschätzung. Seine wahre Erfüllung fand er nicht auf den roten Teppichen, sondern am Klavier zu Hause und an der Seite seiner Susanne, mit der er vor wenigen Jahren die goldene Hochzeit feiern durfte. Für sie und seine drei Töchter – Liza taufte er in Anlehnung an Liza Minnelli – war er nicht der Promi-Jäger, sondern der liebevolle Vater und Ehemann.

Mit Jack Stark verliert die Schweiz einen Journalisten alter Schule: gebildet, wortgewandt, stilvoll und stets von tiefer Humanität geprägt. Ein Vorbild, das zeigt, dass man den Prominenten ganz nahe sein kann, ohne je die eigene Haltung und den Anstand zu verlieren.