Bei der SRG hat der internationale Online-Dienst swissinfo.ch sich bei der Journalism Trust Initiative (JTI) rezertifizieren lassen.
Die Initiative von Reporter ohne Grenzen habe einen internationalen Standard geschaffen, «um journalistische Arbeitsweisen transparent zu machen und vertrauenswürdige Nachrichtenquellen erkennbar auszuweisen», teilte Swissinfo dazu am Donnerstag mit.
Qualitätszertifikate stiessen für die Medienbranche durch KI in ihrer Wirkung zunehmend an technische Grenzen, man halte aber trotzdem am JTI-Qualitätsstandard fest.
«Auf allen zehn Sprachportalen von Swissinfo wird am Ende jedes Artikels auf die Zertifizierung hingewiesen», erklärte Reto Gysi von Wartburg von Swissinfo, auf Anfrage des Klein Reports, wie das genau aussehe. Am Ende des Textes steht jeweils das Logo «jti certified» und daneben ein Häkchen in einem blauen Viereck.
Bei JTI würden nicht die journalistischen Inhalte oder Meinungen der Medienschaffenden geprüft, sondern die Prozesse der Nachrichtenproduktion.
«Die externen Auditoren haben zum Beispiel geprüft, dass Swissinfo über klare Richtlinien in Bezug auf die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) im Produktionsprozess verfügt, die regelmässig überarbeitet werden», sagt der Head of News / Duty Editors & English Department dazu. «Nach wie vor gilt, dass Swissinfo keine KI-unterstützten Inhalte ohne Qualitätskontrolle durch eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter publiziert.»
Zudem werde dem Publikum transparent kommuniziert, wo und wie KI eingesetzt werde. Er verweist noch auf ein JTI-Papier, in dem gezeigt wird, wie die Auditoren das Qualitätssicherungssystem prüfen.
Zu JTI gebe es aus seiner Sicht zurzeit noch keine sinnvolle Alternative, obschon Qualitätszertifikate für die Medienbranche durch KI in ihrer Wirkung zunehmend an technische Grenzen stossen.
Deshalb halte Swissinfo am JTI-Qualitätsstandard fest. «Wir können verbessern, ob und wie bei Suchtreffern die Zertifizierung für Suchmaschinen und KI besser aufgenommen wird», so Reto Gysi von Wartburg. «Ein Beispiel: Der Hinweis auf JTI am Ende jedes Artikels ist ein Bildformat; das wird von Suchmaschinen nicht optimal oder gar nicht gelesen. Wir prüfen, wie und ob hier Ergänzungen mit HTML-Text sinnvoll umgesetzt werden können.»
Damit will man erreichen, dass Qualitätsinformationen journalistische Inhalte möglichst auch dann begleiten, wenn diese von Suchmaschinen, sozialen Plattformen oder KI-Systemen referenziert, zusammengefasst oder weiterverbreitet werden.
Für Swissinfo ist die konsequente Kennzeichnung aller Artikel eine Möglichkeit. «Und eben, wir prüfen, wie wir mit (ergänzendem) HTML-Text sicherstellen können, dass Suchmaschinen und KI-Applikationen uns besser als glaubwürdige Quelle identifizieren können», so Gysi von Wartburg.
Und was kostet die JTI-Standard Zertifizierung?, wollte der Klein Report abschliessend wissen: «Die erstmalige Zertifizierung war arbeitsintensiv, weil die Bewertungskriterien im Detail aufgearbeitet wurden und uns dieser Prozess half, Lücken im Qualitätssicherungssystem zu erkennen und zu schliessen. Der Arbeitsaufwand für die zweijährlichen Rezertifizierungen ist wesentlich geringer. Die Kosten für den Auditor beliefen sich für die erstmalige Zertifizierung auf rund 10’000 Franken, für die Rezertifizierung bewegen sich die Kosten im tiefen bis mittleren einstelligen Tausenderbereich.»



