Die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) hat sich ihre «Kulturleistungen» unter die Lupe nehmen lassen. Dabei wurde ein markanter Gender-Gap entdeckt.
Die Studie des Mileva Instituts aus Toffen sei «ein erster Schritt zu einem kontinuierlichen Monitoring der SRG-Kulturleistungen», kommentiert Suisseculture die Publikation am Mittwoch. Der Dachverband der Schweizer Kultursparten hatte die Studie mit angestossen.
Alles in allem haben die beiden Co-Autoren Franziska Oehmer-Pedrazzi und Stefano Pedrazzi einen Kulturanteil von einem Drittel in den redaktionellen Beiträgen der SRG-Kanäle festgestellt.
Am meisten Kultur läuft laut Studie in den linearen Radioangeboten sowie im Audio- und Podcastbereich. Dort erreichen Kulturinhalte überdurchschnittliche Sendezeiten.
In den digitalen Angeboten sei Kultur weniger präsent, werde aber über audiovisuelle Formate gezielt sichtbar gemacht. «Um den Nachwuchs an die Kultur heranzuführen, wäre es angebracht, diese weiter auszubauen», kommentiert Suisseculture dieses Ergebnis.
Beiträge zu Volkskultur und populärer Musik machen insgesamt über ein Viertel der analysierten Beiträge aus. Anspruchsvollere Kulturbereiche wie Literatur und Sprache, visuelle Kunst oder Theater sind hingegen je nur mit weniger als 5 Prozent der SRG-Kulturberichterstattung und -vermittlung vertreten.
Ganz von der Auswertung ausgeschlossen wurden die Bereiche Philosophie, Religion und Geschichte. Dies aus methodischen Gründen, wie es in der Studie heisst.
Suisseculture kritisiert die «fortschreitende Marginalisierung von anspruchsvolleren Gefässen und die Abnahme an fundierten Auseinandersetzungen mit kulturellen Inhalten», heisst es in einem Statement des Dachverbands dazu.
Kultur werde häufig über Personen vermittelt, was den Zugang für das Publikum erleichtere, heisst es weiter in der Studie. Gleichzeitig zeigen die Daten einen deutlichen Gender-Gap.
«Über alle Medien und Unternehmenseinheiten hinweg zeigt sich eine deutliche geschlechtsspezifische Asymmetrie in der Sichtbarkeit von Kulturakteur:innen», heisst es dazu in der Studie. So liegt der Männeranteil insgesamt bei 66,6 Prozent.
In der Kultursparte Fotografie liegt der Männeranteil gar bei 90,0 Prozent, in der klassischen Musik bei 86,6 Prozent und im Bereich Literatur/Sprache immer noch bei 73,5 Prozent.
«Damit zeigen gerade einige traditionell kanonisierte oder stark personalisierte Kulturbereiche eine noch stärkere männliche Überrepräsentation als im Gesamtdatensatz», heisst es in der Studie dazu.
Doch es gibt auch ein paar Bereiche, in denen der Frauenanteil deutlich über dem Gesamtdurchschnitt von 31,5 Prozent liegt, so etwa beim Theater mit 63,6 Prozent Akteurinnen.
Eingeschränkt wird die Aussagekraft laut Studie durch Lücken in den Archiv- und Datensystemen, insbesondere bei Onlineinhalten. Zudem basiert die Analyse auf einer sogenannten «künstlichen Woche» aus dem Jahr 2025. Deshalb sind keine Aussagen möglich zu saisonalen Entwicklungen oder langfristigen Trends.




