Die SRG hat nach eigenen Angaben das grösste Sportrechte-Portfolio im Free-TV in Europa.
Allein bei der stark ausgeweiteten diesjährigen Fussball-Weltmeisterschaft in den USA übertrug der Sender 104 Spiele, da 48 statt wie bisher 32 Teams teilnahmen. Alles grösser, nochmals grösser: XXL.
Auch die Sponsoren- und Werbeeinnahmen füllten die Kassen der SRG. Denn mittlerweile ist die SRG ein grosser gebührenfinanzierter internationaler Sportkonzern.
In dieser De-facto-Monopolstellung gibt es enorme Sparmöglichkeiten, auf deren Fragen SRG-Generaldirektorin Susanne Wille immer stakkatoartig im PR-Sprech antwortet. «Für die SRG ist entscheidend, dass wir auch künftig ein attraktives Vollprogramm bieten können. Dazu gehören auch Sport und Unterhaltung, denn gerade in einem mehrsprachigen Land wie der Schweiz schafft das Verbindung», sagt Wille in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung» (SZ) vom 22. Juli.
«Aber wir fokussieren uns, produzieren im Sport zum Beispiel nur noch das, wo wir auch die Rechte haben, oder wir verzichten punktuell auch. Wir haben uns nicht mehr für regelmässige Livespiele der Champions League beworben. Das sind schon Einsparungen», führt Wille an.
Eine kleine Gedankenstütze des Klein Reports: Die SRG verantwortet weit über 100 grosse Sportrechte-Verträge und strahlt über 20 verschiedene Sportarten live aus. Ausser dem staatlichen Telekom-Konzern Swisscom kann da niemand in der Schweiz mithalten.
Ob man da nicht mit Kürzungen wie bei der Champions League einen massiven Zuschauerverlust riskiere?, fragt Nicolas Freund, SZ-Auslandskorrespondent in der Schweiz. «Jeder Verzicht ist riskant, und wir müssen klug entscheiden. Ich stehe aber zu einem starken Sportprogramm», antwortet die Generaldirektorin und verweist auf alle live übertragenen WM-Fussballspiele.
«Aber es ist klar: Wir haben künftig wesentlich weniger Mittel. Wir müssen bis 2029 rund 17 Prozent des Budgets sparen. Die erste Gebührensenkung greift ab 2027, also bereits in sechs Monaten. Das geht schnell. Man kann nicht mit weniger Mitteln das Gleiche machen», so die ehemalige TV-Journalistin.
Journalist Nicolas Freund schreibt im Lead des Artikels davon, dass die SRG sich «radikal verkleinern» müsse, es komme zu einem «Komplettumbau». Er spricht aber nicht von den höchsten Gehältern im EU-Raum für öffentlich-rechtliche Anstalten, denn die SRG entlöhnt allein Susanne Wille mit 518’000 Franken im Jahr und die weiteren Geschäftsleitungsmitglieder im Durchschnitt mit 388’605 Franken.
Diese Gehälter stehen im Zuge der Sparmassnahmen, bei denen die SRG etwa 900 Vollzeitstellen abbauen muss, in der öffentlichen Kritik von rechts bis links. Und erwähnen muss man auch, dass die SRG die letzten Jahre immer nur Stellen aufgebaut hat.
Zur Ehrenrettung von Wille muss man sagen, dass ihre Vorgänger Gilles Marchand und Roger de Weck managementmässig praktisch nichts auf die Reihe bekommen haben. Marchand leitete die SRG bis Oktober 2024 und wurde mit Druck aus dem Amt komplimentiert, und auch bei de Weck war es ein schneller Abgang. Beide wären gerne noch länger geblieben.
Auf die SZ-Frage zu Willes Vorgänger Marchand, der behauptete, «ohne Kürzungen bei Formaten und Angeboten werde es nicht funktionieren», antwortet Wille: «Genau darum wählen wir einen anderen Ansatz und erfinden neu. In der früheren Organisation hätte man den Sparbetrag einfach in die Sprachregionen an die dortigen Einheiten verteilt. Das hätte das Programm zerstört.»
Mit der Transformation gelänge es der SRG, «95 Prozent der 270 Millionen Franken in den Strukturen einzusparen». «Nicht nur in der Organisation, sondern auch in den Prozessen, mittels engerer Zusammenarbeit oder in der Art und Weise, wie wir Sendungen produzieren. Das ist sehr viel», so Susanne Wille. «Aber ganz ohne Auswirkungen auf das Programm geht das trotzdem nicht. Unser Ziel bleibt es, so zu sparen, dass das Publikum für jeden gezahlten Franken maximal viel bekommt.»
SZ-Journalist Nicolas Freund sprach dazu die Kooperationsmöglichkeiten mit Deutschland, Frankreich und Italien an. «Unbedingt, und das tun wir auch schon. Aber das müssen wir intensivieren. Wir müssen Geschichten aus unserem Land und unseren Sprachregionen erzählen», erklärte Wille.
«Das können wir nicht Plattformen überlassen, die keinen demokratischen oder gesellschaftlichen Auftrag haben. Wenn wir den digitalen Raum nur den internationalen Plattformen überlassen, verliert die Schweiz ein Stück demokratische Öffentlichkeit», formulierte sie es etwas vorsichtiger als ihre Vorgänger.
Heute tausche die SRG auch systematischer Inhalte über die Sprachregionen aus als früher oder erstelle Inhalte für alle Regionen. «Wir haben in einer Analyse gesehen, dass nur etwa fünf Prozent der Inhalte in mehr als einer Sprache genutzt wurden.»
Darauf angesprochen, ob die SRG dazu auch künstliche Intelligenz einsetzen würde, meinte Wille: «Wir haben KI in der neuen SRG strategisch auf oberster Ebene verankert, weil wir wissen: KI verändert alles. Dort, wo wir damit effizienter werden, müssen wir sie einfach einsetzen, bei den Finanzen, in der Produktion.»
Entscheidend für ein öffentliches Medienhaus sei aber die Frage: «Was können wir mit KI tun, was wir bisher nicht konnten? Wie können wir den Mehrwert für das Publikum steigern? Wir können zum Beispiel den Angebotskatalog massiv vergrössern.»
Auf die vielen Fragezeichen-Antworten fasste der Journalist nach, was Wille damit meine? «Soll die KI auch Inhalte erzeugen oder ist sie nur eine Hilfe?»
Die Generaldirektorin dazu: «Die SRG wird im nächsten Jahr die neue Live- und Streamingplattform Play+ lancieren, die alle Inhalte in allen Sprachen zugänglich macht. Dort werden wir auch mit KI übersetzen. Aber natürlich immer mit einem ’human in the loop’, wir haben für den Einsatz von KI klare Richtlinien.»



