Kaum ist das Gespenst der Begrenzungs-Initiative vertrieben, macht das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) weiter, als wäre nichts gewesen: Mit «Alone Together» schickt das öffentlich finanzierte Fernsehen erneut Singles auf eine Insel.
Der Service-public-Auftrag bleibt dabei irgendwo am Festland zurück.
Ab 12. Juni läuft auf Play SRF die zweite Staffel von «Alone Together», eine Woche später folgt die Ausstrahlung auf SRF 1. Das Prinzip: Vier potenzielle Paare werden von Expertinnen zusammengestellt und verbringen acht Tage abgeschieden auf einer Insel – ohne digitale Ablenkung, dafür mit viel Nähe, Unsicherheit, Reflexion und Kamerabegleitung.
SRF verkauft das Format als Gegenentwurf zur schnelllebigen Dating-Welt. «Statt endloser Auswahlmöglichkeiten und flüchtiger Begegnungen rückt das Format die intensive gemeinsame Zeit ins Zentrum», heisst es in einer Ankündigung vom Dienstag.
Begleitet werden die Teilnehmenden von Psychologin Caroline Fux, ehemalige «Blick»-Sexkolumnistin, und Beziehungscoach Esther Bischofberger. Am Ende steht die Frage, ob sie die Insel «alone» oder «together» verlassen.
Das klingt nach Reality-TV mit therapeutischem Anstrich. Medienpolitisch stellt sich für den Klein Report allerdings eine andere Frage: Was genau hat dieses Format mit Service public zu tun?
Kaum ist die Begrenzungs-Initiative politisch abgeräumt, sendet SRF fröhlich weiter, als sei die Debatte über Auftrag, Gebühren und publizistische Prioritäten nie geführt worden. Dating-Experimente auf Inseln haben mit Service public ungefähr so viel zu tun wie die Nasa mit der Vierwaldstättersee-Schifffahrtsgesellschaft.
Natürlich darf öffentliches Fernsehen unterhalten. Doch wer mit Gebühren finanziert wird, sollte bei jeder neuen Eigenproduktion erklären können, weshalb sie öffentlichen Mehrwert schafft.
Bei «Alone Together» bleibt dieser Nachweis dünn. Die zweite Staffel wirkt weniger wie gesellschaftliche Orientierung als wie der Versuch, im Reality-Segment mit privaten Plattformen mitzuhalten.



