Zwölf Jahre lang prägte Tristan Brenn die TV-Information von SRF. Nun verzichtet er mitten im grössten Umbau der SRG auf eine Bewerbung für die neue Leitung. Ursula Gabathuler und Beat Soltermann übernehmen – Brenns Rückzug wirft Fragen zur bisherigen Machtkonstellation auf.
Tristan Brenn ist bald nicht mehr Chefredaktor von SRF. Der bisherige Amtsträger bewirbt sich im Rahmen der Neuorganisation nicht für die Leitung der neu geschaffenen multimedialen Angebotseinheit Information.
Auf LinkedIn schreibt er von einer Entscheidung «aus voller Überzeugung – die mir dennoch nicht leichtfiel».
Brenn verweist auf Krisen, Desinformation und den raueren Ton gegenüber dem Service public. Doch sein Abgang beendet auch eine Ära, in der SRF publizistisch, politisch und intern stark unter Druck geriet.
Dass der langjährige Chefredaktor beim Neustart nicht mehr antreten will, lässt sich deshalb als Signal lesen: Der Umbau verlangt nach neuen Köpfen – oder macht bisherige Machtpositionen entbehrlich.
Kommt dazu: Im Zuge der Affäre um die Absetzung von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer, in der SRF eine Schlüsselrolle spielte, ging Brenn auf Tauchstation. Die Rede war von einem zweiwöchigen Sabbatical. Die nächste Auszeit dauert nun wohl wesentlich länger.
Ab 1. Juli übernehmen Ursula Gabathuler, die Lebenspartnerin von Medien-Tausendsassa Hansi Voigt, und Beat Soltermann die Information in Co-Leitung. Beide führten bisher Audio/Digital. Die bisherige Trennung zwischen Audio- und Video-Chefredaktion wird aufgehoben.
Offen bleibt nicht nur, ob Brenn bei SRF eine andere Funktion erhält. Das Unternehmen wollte dazu ebenso wenig Stellung nehmen wie Brenn selber auf LinkedIn.
Interessant ist auch, was sein Rückzug für Barbara Lüthi bedeutet. Die «Club»-Moderatorin und Redaktionsleiterin ist Brenns Lebenspartnerin. Als die Beziehung 2021 öffentlich wurde, erklärte SRF, Brenn trete bei Angelegenheiten des «Club» in den Ausstand. Mit seinem Abschied aus der Chefredaktion entfällt zumindest diese heikle direkte Konstellation. Ob Lüthis Position im neuen SRF-Gefüge unverändert bleibt, ist nicht bekannt.
Der Umbau ist Teil von «Enavant SRG SSR»: Bis 2029 sollen 270 Millionen Franken eingespart und rund 900 Vollzeitstellen abgebaut werden.
Brenns Rückzug zeigt: Der Sparkurs erreicht auch die publizistische Spitze.



