Nicht überall, wo Schweiz draufsteht, ist auch Schweiz drin: Die neue Praxis des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum (IGE) zum Schweizerkreuz sorgt beim Gewerbe für scharfe Kritik.
Seit März 2026 darf das Schweizerkreuz in bestimmten Fällen auch auf Produkten verwendet werden, die im Ausland hergestellt wurden.
Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) warnt davor, dass dadurch der Anreiz sinkt, tatsächlich in der Schweiz zu produzieren.
Erste konkrete Folgen zeigt laut sgv die Schuhherstellerin Kybun. «Die Konsequenz ist bitter, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht logisch: Wir haben entschieden, einen Teil der Schuhproduktion von Sennwald nach Montebelluna in Italien zu verlagern», wird Kybun-CEO Claudio Minder vom Gewerbeverband zitiert.
Rund 40 Arbeitsplätze im Rheintal seien davon betroffen.
«Wir wollen nicht als Musterknabe sterben, während andere die Regeln zu ihren Gunsten ausgelegt bekommen», so der Schuhhersteller weiter.
Ein anderes Bespiel: Vertreter der Schmierstoff- oder der Lack- und Farbenindustrie warnten an einer Medienkonferenz vor den Folgen für Unternehmen, die weiterhin in der Schweiz produzieren.
Marketingprofessor Sven Reinecke von der Universität St. Gallen sieht ebenfalls immer mehr Gründe, die Produktion zu verlagern: Die neue Praxis schwäche die Exklusivität des Schweizerkreuzes und senke die Kosten eines Verzichts auf Schweizer Produktion.
Der sgv fordert deshalb eine Korrektur der IGE-Praxis und mehr Unterstützung für den Produktionsstandort Schweiz.
«Die Herausforderungen durch Frankenstärke, Zollschranken und internationale Konkurrenz sind gross. Gewerbe und Bevölkerung erwarten von der Politik Lösungen, die die Schweizer Produktion stärken – und nicht das Schweizerkreuz verwässern, den Werkplatz Schweiz schwächen und über Generationen aufgebautes Wissen gefährden», brachte sgv-Direktor Urs Furrer die Kritik seines Verbandes auf den Punkt.




