Grosses Eishockey in Zürich. Die Schweiz deklassiert Österreich an der WM mit 9:0 und setzt sportlich ein weiteres Ausrufezeichen.
Doch neben dem Eis rückt eine andere Geschichte in den Fokus: René Fasel, (75) langjähriger Präsident des Internationalen Eishockeyverbands und über Jahrzehnte eine der prägendsten Figuren des Welteishockeys, ist zurück im Kreis der Eishockey-Familie.
Der Freiburger verfolgt die Partie gemeinsam mit seiner Frau Fabienne als Gast seines Nachfolgers Luc Tardif in der Arena. Es ist ein Auftritt mit Symbolcharakter. Seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine galt Fasel, der in seiner Amtszeit stets die Nähe zu Wladimir Putin pflegte, im internationalen Eishockey als Persona non grata. Seit seinem Rückzug 2021 war er an einer Weltmeisterschaft nicht mehr präsent.
Nun also die Rückkehr – oder wie Fasel gegenüber den Medien selbst sagt: «Begnadigt? Nein. Nur wer Schuld auf sich geladen hat, kann begnadigt werden …»
Die Kontroverse um seine Nähe zu Russland, seine frühere Tätigkeit im Umfeld der KHL sowie seine Kontakte zu russischen Eishockey-Vertretern hatten sein Verhältnis zum internationalen Verband belastet. Lange vertrat Fasel die Überzeugung, Sport und Politik seien strikt zu trennen – eine Haltung, die im Zuge der geopolitischen Entwicklungen zunehmend infrage gestellt wurde.
Seit einigen Jahren besitzt er zudem einen russischen Pass, den er nach eigenen Angaben nicht abgeben will.
Dass nun ausgerechnet sein Nachfolger Luc Tardif die Einladung ausspricht, verleiht dem Auftritt zusätzliche Symbolik.
Zuvor war Fasel bereits vom SIHF-Präsidenten Urs Kessler zur Heim-WM eingeladen worden. Der Besuch wird im Umfeld des Turniers auch als vorsichtige Geste der Annäherung gelesen.
Fasel nur als Profiteur eines politisch aufgeladenen Umfelds zu sehen, greift jedoch zu kurz. Während seiner gesamten Karriere galt der studierte Zahnarzt vielen Schweizer Medienschaffenden als zugänglicher, oft auch persönlich nahbarer Gesprächspartner.
Seine Rückkehr in die Zürcher Arena wirkt deshalb auch wie ein leiser Moment der Versöhnung – eingebettet in einen Abend, an dem die Schweiz sportlich keine Fragen offenliess.




