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Freitag
29.05.2026

Medien / Publizistik

Insgesamt 178 Mal beschwerten sich Menschen im letzten Jahr über eine Berichterstattung... (Bild: Screens. Jahresbericht)

Insgesamt 178 Mal beschwerten sich Menschen im letzten Jahr über eine Berichterstattung... (Bild: Screens. Jahresbericht)

Beim Schweizer Presserat landeten im letzten Jahr so viele Beschwerden in der Mailbox, wie seit dem Corona-Rekordjahr 2020 nicht mehr.

Insgesamt 178 Mal beschwerten sich Medienuser über einen Beitrag. Im 2024 waren es noch 130, im 2022 nur 85 neue Beschwerden gewesen, die beim Presserat eingingen. Das geht aus dem am Freitag publizierten Jahresbericht hervor.

Von den 80 Beschwerdeverfahren, die in einen Entscheid mündeten, waren 60 unbegründet. Mit anderen Worten: Die Journalisten und Journalistinnen hatten in drei Viertel der monierten Beiträge korrekt gearbeitet.

WOZ-Journalistin Susan Boos, die die Organisation präsidiert, spricht von einer «Beschwerdeflut». Zum Jahresabschluss 2025 seien 162 hängigen Fälle beim Presserat in der Warteschleife gewesen. «Die durchschnittliche Verfahrensdauer ist auf rund 1,5 Jahre gestiegen», so Boos.

Um die Beschwerdeflut etwas einzudämmen und «in der Hoffnung, die Qualität der Beschwerden zu verbessern», habe der Stiftungsrat für Privatpersonen vor Kurzem eine Bearbeitungsgebühr eingeführt, wie der Klein Report berichtete. Diese gilt schon ab der ersten Beschwerde. 

Wie auch schon in vorderen Jahren betrafen die meisten Rügen Ziffer 1 des Kodexes, also die «Wahrheitssuche». Auffallend häufig kam es aber auch zu Rügen, die «Diskriminierung, Menschenwürde, Opferschutz» betrafen. 

So titelte zum Beispiel «24 heures», ein Nigerianer habe seinen Bruder ermordet – obwohl es zu jenem Zeitpunkt noch überhaupt nicht klar, was geschehen war. Später stellte sich dann auch heraus, dass es sich nicht um ein Tötungsdelikt handelte. 

Zum ersten Mal kam im letzten Jahr auch die überarbeitete Richtlinie zur «Anhörung bei schweren Vorwürfen» zur Anwendung. Dabei ging es um eine Beschwerde von SVP-Nationalrat Andreas Glarner gegen den «Blick». Der Ringier-Titel wurde gerügt, weil er den Politiker nicht angehört hatte. 

«Pointierte, kritische Bewertungen müssen möglich bleiben, es geht nicht darum, redaktionelle Einschätzungen zu neutralisieren», unterstreicht Presserats-Präsidentin Boos im Editorial.

Auch die künstliche Intelligenz ist ein Thema im Jahresbericht. Seit Anfang 2024 gibt es einen Leitfaden, der aufzeigt, wie Medienschaffende mit KI-Tools umgehen sollen. Zwar ist bisher noch keine Beschwerde eingegangen, die einen unkorrekten Umgang mit KI ankreidet. 

Der Presserat hat jedoch beschlossen, den KI-Leitfaden schon wieder zu überarbeiten. Dies weil die Entwicklung sehr rasch voranschreite.

Auch interen will die Selbstkontrollorganisation KI-Tools künftig nutzen. Dafür hat sie eine Arbeitsgruppe eingesetzt.