Der entlassene Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer äussert sich erstmals ausführlich zu seinem gefälschten Covid-Zertifikat und den Hintergründen aus seiner Sicht.
Nicht beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), nicht bei einer Zeitung oder einem Online-Medium, sondern auf seinem eigenen YouTube-Kanal redet er.
Das Interview führte Ex-Ringier-Journalist Peter Röthlisberger, produziert von der Kommunikationsagentur Signorell GmbH.
Patrick Fischer hat gesprochen: 35 Minuten lang. Kontrolliert, ausführlich, emotional, den Tränen nahe – und auf jener Bühne, auf der keine Redaktion dazwischenfunkt: dem eigenen YouTube-Kanal.
Der frühere Nationaltrainer, der im April nach der SRF-Berichterstattung über ein gekauftes Covid-Zertifikat freigestellt worden war, wählte für sein erstes elektronisches Interview nicht den klassischen Medienweg.
Das ist medienpolitisch bemerkenswert. Fischer war jahrelang ein Liebling der Kameras, ein Trainer, der SRF die Türen öffnete, Garderobenstimmungen und sogar Homestorys in der Hochglanzpresse zuliess und das Produkt Eishockey auch medial pushen wollte.
Nun nutzt er die eigene Plattform, um genau dieses SRF scharf anzugreifen.
Im Zentrum steht das Gespräch mit SRF-Journalist Pascal Schmitz, der die Affäre ins Rollen gebracht hatte. Fischer sagt, er habe SRF nach zehn Jahren Zusammenarbeit fast als Freunde betrachtet.
Das Mittagessen im März diesen Jahres, bei dem er vom gefälschten Zertifikat erzählt habe, sei nicht Teil der Dreharbeiten gewesen und als «off the record» deklariert worden.
Als Beleg verweist Fischer auf eine E-Mail von Schmitz an den Medienchef des Eishockey-Verbandes. Darin habe dieser die Off-the-Record-Vereinbarung ausdrücklich erwähnt.
Dass SRF später öffentlich erklärte, es habe keine solche Vereinbarung gegeben, trifft Fischer hart: «Entweder wurde hier vorsätzlich gelogen oder mir fahrlässig Unrecht getan.»
Gleichzeitig versucht Patrick Fischer, seine eigene Rolle einzuordnen. Er habe sich aus «Bauchgefühl» nicht impfen lassen wollen.
Als Nationaltrainer sei der Kauf eines Zertifikats falsch gewesen, sagt er: «Das kann ich nicht schönreden.» Persönlich aber sei er sich treu geblieben. Den Druck des Verbands beschreibt er mit einer Covid-Klausel und möglichen Sanktionen von über 500’000 Franken.
Fischer verteidigt sich, ohne wirklich klein beizugeben. Er bedauert, er erklärt, er schiebt Verantwortung – auf den Verband, auf die Dynamik, auf SRF ab. Seine sportliche Bilanz stellt er daneben: drei WM-Finals in Folge, die Schweiz zeitweise Nummer eins der Weltrangliste. «Das erreicht man nicht zufällig.»
So bleibt ein Interview zwischen Reue und Gegenangriff. Patrick Fischer hat sein Schweigen gebrochen. Aber nicht auf neutralem Eis, sondern in der eigenen PR-Halle – mit eigener Bande, eigenem Schiedsrichter und eigener Regie.



