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Dienstag
01.09.2026

Medien / Publizistik

«Begreiflich, dass die Afrikaner dorthin migrieren wollen, wo diese Milliarden herkommen», schrieb Verleger Christoph Blocher in den «Wiler Nachrichten»... (Bild: Screenshot)

«Begreiflich, dass die Afrikaner dorthin migrieren wollen, wo diese Milliarden herkommen», schrieb Verleger Christoph Blocher in den «Wiler Nachrichten»... (Bild: Screenshot)

Der Schweizer Presserat sieht sich selbst nicht als Wächter über die politische Korrektheit. Nur selten tadelt er ein Medium wegen Diskriminierung.

Dies, obwohl nicht selten Beschwerden wegen angeblicher Diskriminierungen in Medienbeiträgen im Briefkasten des Selbstkontrollorgans landen. Warum also gibts selten Rüffel deswegen?

In einem aktuellen Editorial nennt Presserat-Geschäftsführerin Ursina Wey mehrere Gründe. Eine der wichtigsten Aufgaben der Organisation sei es, die Presse- und Meinungsäusserungsfreiheit zu verteidigen. Daher schützte der Presserat immer mal wieder Aussagen, die man vielleicht lieber nicht lesen oder hören wolle.

Zum Beispiel hat die Formulierung «Müll-Kosovare» zu keiner Rüge geführt. «Das Diskriminierungsverbot verbietet nicht Kritik an Einzelpersonen, sondern soll herabsetzende Verallgemeinerungen verhindern», so Wey. 

Wenn die ethnische, nationale oder religiöse Zugehörigkeit ins Spiel kommt, wertet der Presserat dies nur dann diskriminierend, wenn sie mit einem «erheblich verletzenden Unwerturteil» verknüpft ist. 

Doch ist nicht genau das mit «Müll-Kosovare» der Fall?  

Nein, denn der Ausdruck bezog sich nicht auf alle Kosovaren, sondern auf eine Einzelperson, die aus Protest gegen die Behörden Abfallsäcke in ihrem Garten gehortet hatte. 

Ein «Unwerturteil» muss aber nicht nur pauschalisierend sein, sondern auch von einer gewissen Schwere. «Mindestintensität» nennt der Presserat das. 

Da geht es also ums exakte Abwägen. Und manchmal entscheiden ein paar wenige Milligramme, ob eine Rüge am Platz ist oder knapp davon abgesehen wird. 

In einem aktuellen Fall zu einem Editorial von Verleger Christoph Blocher hat sich der Presserat über die Frage gebeugt, wann diese «Mindestintensität» erreicht ist. 

Daumenregel: Kritik muss möglich sein. Auch scharfe Kritik.

Die «Wiler Nachrichten» hatten eine Kolumne ihres Verlegers veröffentlicht, in der er über seine Reiseerlebnisse in Afrika schrieb. «Oh, Afrika» überschrieb Blocher den kurzen Text vom Oktober 2024. 

Dabei leitet er über auf den Umgang der «Afrikaner» mit «moderner Technologie», Entwicklungshilfe und Migration. Mehrere pauschalisierende Aussagen fielen, die zu einer Beschwerde führten.

Man habe «knapp» von einer Rüge abgesehen, schreibt der Presserat.