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Dienstag
09.06.2026

Medien / Publizistik

Aus «Bern einfach» wird «Nebelspalter einfach»: Vorzeitige Auflösung von Dominik Feusis (r.) NZZ-Arbeitsvertrag wird zur NZZ-Intrige... (Bild: «Nebelspalter»/zVg)

Aus «Bern einfach» wird «Nebelspalter einfach»: Vorzeitige Auflösung von Dominik Feusis (r.) NZZ-Arbeitsvertrag wird zur NZZ-Intrige... (Bild: «Nebelspalter»/zVg)

Die Affäre um Dominik Feusi und die neue «Zürcher Zeitung» wird zur medienpolitischen Farce.

Nun meldet sich der frühere «Berner Zeitung»-Chefredaktor Michael Hug mit einem Gastbeitrag, den der «Nebelspalter» publizierte, und schiesst darin scharf gegen dessen Chefredaktor Markus Somm.

Was war geschehen? Dominik Feusi, pointierter und rechtskonservativer Bundeshausjournalist, hätte vom «Nebelspalter» zur «Neuen Zürcher Zeitung» wechseln sollen. Doch noch vor Stellenantritt wurde sein Arbeitsvertrag wieder aufgelöst, wie der Klein Report berichtete.

Grund war ein Plagiat, das Feusi beim «Nebelspalter» veröffentlicht hatte. Der Artikel vom 3. Oktober 2024 mit dem Titel «Wir stehen am Rande eines endlosen Krieges – und nur ein Land kann ihn verhindern» war grossmehrheitlich vom rechtskonservativen britischen «Telegraph»-Kommentator Allister Heath übernommen worden. Nach Bekanntwerden des Plagiats entschuldigte sich Feusi dafür.

Brisant an dem Vorfall: Die Geschäftsleitung der «Neuen Zürcher Zeitung» wusste offenbar schon länger von der Plagiatsgeschichte, zog aber erst Konsequenzen, als der Fall mit medialem Druck an Fahrt aufnahm. Gemäss Recherchen des Klein Reports hat die Geschäftsleitung zuwarten wollen, nach der Devise, falls noch etwas anderes zum Vorschein käme, dann handeln wir.

Ende Mai veröffentlichte der NZZ-Verlag notgedrungen eine karge Stellungnahme zur kurzfristigen Vertragsauflösung mit Dominik Feusi: «Der Sachverhalt sei den für die Rekrutierung zuständigen Personen zum Zeitpunkt der Rekrutierung nicht bekannt gewesen», hiess es im Plural. «Der Fall wurde sorgfältig geprüft und die Führung der NZZ ist zum Schluss gekommen, dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist.»

Zusätzliche Schärfe erhielt die Personalie, weil der bewährte NZZ-Bundeshausredaktor Fabian Schäfer nach der Nomination von Feusi seine Kündigung bei der «Neuen Zürcher Zeitung» eingereicht hatte. Schäfer ist noch bis Ende August für die Zeitung tätig, wechselt danach zu CH Media.

Nun ist Schäfer weg – und Feusi kommt trotzdem nicht.

In diese Gemengelage platzt Michael Hug, ehemaliger Journalist und Chefredaktor der «Berner Zeitung», der in einem Gastbeitrag, den der «Nebelspalter» veröffentlichte, seine Sicht der Dinge, unter anderem über seinen Kollegen und Freund Fabian Schäfer, darlegt.

Hug beginnt freundlich: Als Abonnent und regelmässiger Leser halte er den «Nebelspalter» für «eine Bereicherung in einer über weite Strecken uniformen Medienlandschaft». Er habe «keine Mühe mit harten Auseinandersetzungen in der Sache und mit kluger Polemik».

Dann aber zieht Hug die Schraube an: Somms «Colt» sitze zu locker, wenn es darum gehe, andere Leute «abzuqualifizieren und mit Häme zu überziehen». Gemeinsam mit Feusi habe Somm im Podcast «Bern einfach» über Jahre Qualifikationen verteilt, die mit inhaltlicher Auseinandersetzung wenig zu tun hätten. Wer auf der falschen Seite stehe, sei «schwach», «lächerlich», «unfähig» oder «peinlich».

Jetzt sei es, so Hug, «peinlich für den Nebelspalter» geworden, weil Feusi «beim Abkupfern eines Artikels erwischt» worden sei. Dass die «Neue Zürcher Zeitung» erst reagiert habe, als der Sachverhalt öffentlich wurde, werfe «tatsächlich kein gutes Licht auf die alte Tante». Doch Hug fügt hinzu, sein Verständnis für die NZZ wachse wieder, wenn Somm und Feusi nun eine «politische Intrige» herbeiredeten.

Besonders entschieden verteidigt Michael Hug seinen früheren Kollegen Fabian Schäfer. Dieser werde von Somm repetitiv als «schwach», «feige», «lächerlich» und «unfähig» bezeichnet, weil er sich in der NZZ für die neuen Verträge mit der EU ausspreche. Schäfer sei aber kein «EU-Euphoriker», sondern ein «sattelfester und kompetenter Journalist», der nach Abwägung der Argumente zu anderen Schlüssen komme als der «Nebelspalter».

Die Unterstellung, Schäfer habe im Innern der NZZ gegen Feusi intrigiert, hält Hug für absurd. Schäfer habe längst gekündigt und einen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben gehabt, als Feusi von der NZZ abserviert wurde. Diese «Räubergeschichte» gehöre ins Märchenreich.

Hug wirft Somm vor, dieser behaupte ungerührt, «der wahre Grund für die Kündigung sei nicht das Plagiat, sondern eine ’politische Intrige’.» Und Feusi jammere, er habe in den letzten Tagen einen Shitstorm über sich ergehen lassen müssen. «O-Ton: ’Es isch scho verruckt, wie mir Medieschaffende mitenander umgönd, das het mir die Gschicht zeigt’.» Michael Hug weiter: «Echt jetzt? Habt ihr euch in all den Jahren auch einmal selbst zugehört?»

Der härteste Satz des Briefes trifft Somm frontal: Unter Druck verfalle er «ins selbe Muster wie die Linken», die er so gern kritisiere – nämlich wortreich eine politische Intrige herbeizureden, um zu kaschieren, was offensichtlich sei.

Damit wird die Affäre für den Klein Report endgültig zur Medienposse. Die «Neue Zürcher Zeitung» wollte mit Feusi offenbar ein Signal nach rechts senden, verlor dabei aber mit Schäfer einen ihrer profiliertesten Bundeshausköpfe, worauf die NZZ-Geschäftsleitung ins Schwitzen kam und die Nerven verlor.

Für den Klein Report ist klar, die Kündigung von Fabian Schäfer ist der bekannte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Der «Nebelspalter» wiederum beklagt eine Intrige, muss sich aber vorhalten lassen, jahrelang genau jene persönliche Schärfe gepflegt zu haben, die nun auf ihn zurückfällt.

Gemäss Recherchen des Klein Reports ist die Plagiats-Geschichte von Dominik Feusi unter anderem den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Blick» gesteckt worden. Journalist Fabian Eberhard vom «Blick» publizierte die Affäre auch.

Den Klein Report würde es nicht überraschen, wenn sich der Kreis am Ende schliesst und Feusi wieder beim «Nebelspalter» landet.

Oder anders gesagt: Ausser Spesen nichts gewesen.