Berner Filmemacher Mike Wyniger initiiert die längst fällige Corona-Aufarbeitung mit einem Film – und warnt vor dem neuen Epidemiengesetz, über das wir noch abstimmen werden.
Der Journalist Peter Wäch hat für den Klein Report mit Mike Wyniger gesprochen. Mit «Der Hype – 2020 Revisited» legt Wyniger einen rund zweistündigen Dokumentarfilm vor, der die Massnahmen, Tests und die Maskenpflicht der Corona-Jahre einer kritischen Analyse unterzieht.
Im Zentrum steht die Frage, ob die Schweizer Bevölkerung 2020 die volle Wahrheit erhielt – oder ob eine homogene Expertenrunde, unterstützt von gleichgeschalteten Leitmedien, ein Narrativ durchsetzte, das einer unabhängigen wie evidenzbasierten Überprüfung nicht standhält.
Wynigers Anliegen ist dringlich: Im Jahr 2027 dürfte das revidierte Epidemiengesetz vors Volk kommen – ein Gesetz, das dem Bundesrat ermöglichen würde, all jene Massnahmen auf Knopfdruck wieder einzusetzen. Wer dann abstimmt, soll wissen, worüber er abstimmt.
Das Gespräch findet in Wynigers Berner Zuhause statt. Der Filmemacher wirkt fokussiert, redet präzise und ohne Umschweife. Man spürt, dass hier jemand sitzt, der sich viele Jahre mit diesem Stoff auseinandergesetzt hat.
Viele haben das Corona-Kapitel längst abgehakt. Warum braucht es 2026 einen Film über 2020?
Mike Wyniger: «Weil es nicht abgehakt ist. Das Epidemiengesetz wird revidiert, und diese Revision soll sämtliche Massnahmen aus der Corona-Zeit auf ein gesetzliches Fundament stellen. Damit kann der Bundesrat beim geringsten Anlass Maskenpflicht, Testregimes und Einschränkungen wieder anordnen – einfacher als je zuvor. Man kann also jederzeit die Illusion einer Pandemie erzeugen.»
Warum sprechen Sie von einer Illusion?
Wyniger: «Weil man diese Illusion bei Grippewellen mit massenhaftem Testen, inklusive von Gesunden, immer erreichen wird. Bis heute fand dazu keine evidenzbasierte, unabhängige Analyse dieser Massnahmen statt. Diejenigen, die sie angeordnet haben, haben sich selbst beurteilt und für gut befunden. Mein Film macht diese Analyse.»
Was ist der konkrete Vorwurf an die Swiss Covid Task Force?
Wyniger: «Die Task Force hat sich selbst ins Spiel gebracht – nicht über das BAG, sondern direkt über Alain Bersets damaligen Generalsekretär Lukas Bruhin. Innerhalb von 14 Tagen wurde sie konstituiert, aus Universitätskreisen zusammengestellt, und das BAG hatte offenbar keinen Einfluss auf ihre Zusammensetzung. Vier Wissenschaftler schrieben bereits im Februar 2020 direkt an Berset und drängten auf schärfere Massnahmen – drei davon landeten anschliessend in der Task Force. Was mich besonders beschäftigt: Es gab keine Protokolle. Der Mitarbeiter der ETH, der damals für die Administration zuständig war, schrieb mir im Dezember 2020, man mache keine Protokolle, weil die Sitzungen virtuell stattfinden. Als 2024 die deutschen RKI-Protokolle geleakt wurden, sagte Marcel Salathé von der Schweizer Task Force, man habe hierzulande transparent gearbeitet. Aber es gibt keine Protokolle, die man einsehen könnte.»
Ein Fokus im Film hat Professor Matthias Egger, er war der erste Präsident der Task Force. In einer Szene gibt es heftige Vorwürfe vom ehemaligen Molekularbiologen und Direktor des Instituts für Immunologie der Uni Bern Beda Stadler.
Mike Wyniger: «Egger war gleichzeitig Epidemiologieprofessor an der Universität Bern und Präsident des Schweizerischen Nationalfonds – der Institution, die den Grossteil der Schweizer Forschungsgelder vergibt. Wissenschaftler, die Studien einreichen wollen, sind auf Gedeih und Verderb dem Vorstand ausgeliefert. Professor Beda Stadler sagt im Film klar, dass er Anrufe von Wissenschaftlern und Studenten erhielt, die ihm mitteilten: Wenn wir das Corona-Narrativ infrage stellen, bekommen wir kein Geld mehr vom Nationalfonds. Das ist strukturelle Abhängigkeit. Das hat Konsequenzen dafür, was publiziert wird und was nicht.»
Auch zwei Journalistinnen spielen eine Rolle im Film.
Wyniger: «Serena Tinari und Catherine Riva – zwei der renommiertesten Pharma- und Medizinjournalistinnen der Schweiz. Tinari war Rundschaujournalistin beim Schweizer Fernsehen. Eigentlich wären sie genau diejenigen gewesen, die ab 2020 über dieses Thema hätten berichten müssen. Stattdessen wurden sie aussen vorgelassen. Im Film können sie klar darlegen, was passiert ist: Es wurde eine neue Realität erschaffen, in der das gesamte etablierte Wissen über respiratorische Erkrankungen plötzlich nicht mehr galt. Aus dem Nichts wurde ein neues Regelwerk gezogen, das die Corona-Erzählung ermöglichte und stützte.»
Sie sprechen auch die Trusted News Initiative an, der die SRG angehört.
Wyniger: «Viele wissen nicht, dass die SRG über ihre Mitgliedschaft bei der European Broadcasting Union auch Mitglied der Trusted News Initiative ist – einem Zusammenschluss grosser Nachrichtenagenturen, Sender und Techplattformen, gegründet 2019 unter dem Deckmantel der Fake-News-Bekämpfung. Im März 2020 wurde intern beschlossen, keine Inhalte zu verbreiten, die das Corona-Narrativ infrage stellen. Ende 2020 folgte der Entscheid, alternative Behandlungsansätze nicht positiv darzustellen. Das bedeutet: Es gab eine institutionelle Rechtfertigung dafür, renommierten Wissenschaftlern keine Stimme zu geben.»
Und die WHO-Dimension?
Wyniger: «Die Epidemiengesetzrevision ist nicht losgelöst von den internationalen Gesundheitsrichtlinien der WHO. Der Bundesrat braucht diese Revision, um diesen Richtlinien rechtlich folgen zu können. Simonetta Sommaruga hat das im Sommer 2020 an einer Pressekonferenz auf Nachfrage einer Journalistin offen gesagt: Man könne nicht von der ausserordentlichen in die normale Lage zurückgehen, weil die WHO das vorgibt. Es gibt immer noch Leute, die das als Verschwörungstheorie abtun – aber es ist dokumentiert, dass die Schweiz in Sachen Gesundheit nicht unabhängig handelt.»
Wer kommt im Film zu Wort?
Wyniger: «Unter anderem Anders Tegnell, der ehemalige schwedische Staatsepidemiologe, unter dem Schweden einfach nur den bestehenden Pandemieplan umsetzte. Schweden schnitt laut einem renommierten medizinischen Fachblatt im weltweiten Vergleich am besten ab. Dann John P. Ioannidis, einer der meistzitierten Wissenschaftler der Welt, der sich selbst als ’umstritten gelabelt’ bezeichnet. Konstantin Beck, Statistiker und Gesundheitsökonom der Universität Luzern. Dazu die erwähnten Journalistinnen, und als Sprecher- und Kommentarstimme konnte ich Gilles Tschudi gewinnen – sowie Irene Godel, eine der bekanntesten Off-Stimmen der Schweiz.»
Was erhoffen Sie sich vom Film?
Mike Wyniger: «Dass Leute, die schon 2020 Fragen hatten – warum man im Restaurant sitzen, aber beim Aufstehen eine Maske tragen musste –, endlich Antworten bekommen. Die grossen Medien werden das Narrativ wohl weiter pflegen. Aber wenn genug Menschen den Mechanismus verstehen, der 2020 in Gang gesetzt wurde, dann sind sie gewappnet – für das nächste Referendum und für das nächste Mal. Denn es wird wiederkommen. Das ist das Ziel dieses Films.»




