Zwei Wochen Südamerika. Patagonien. Buenos Aires. Iguazú. Rio de Janeiro. 400 Dollar Budget, kein Handy – und am Schluss wartet das Rückflugticket in die Schweiz. Was nach einem Youtube-Format klingt, läuft ab 7. August zur besten Sendezeit auf SRF 1.
«Einfach Retour» geht bereits in die dritte Staffel. Allzweck-Moderator Jan Fitze reist quer durch Argentinien und Brasilien und kämpft sich mit kleinem Budget Richtung Rio. Das dürfte unterhaltsam sein – und für Fitze und das Produktionsteam horizonterweiternd. Die eigentliche Frage ist aber eine andere: Gehört das zum Service public?
Niemand bestreitet, dass SRF auch unterhalten soll. Doch «Einfach Retour» wirkt wie ein Wohlstands-Survival: Das Budget ist knapp, die Herausforderungen vermeintlich gross – und doch bleibt alles kalkulierbar. Hinter der Kamera steht ein Produktionsteam, am Ende wartet der Rückflug.
Vor allem stellt sich die Frage nach den Prioritäten. Muss ein gebührenfinanzierter Sender eine ganze Crew nach Südamerika schicken, um spannende Geschichten zu erzählen?
Wäre ein ähnliches Format nicht ebenso reizvoll im Oberwallis, im Jura, im Appenzell oder im Münstertal? Dort gäbe es ebenfalls Überraschungen, Begegnungen und Abenteuer – und ganz nebenbei würde SRF das eigene Land zeigen.
Gerade in einer Zeit, in der über Auftrag, Grösse und Finanzierung des Service public intensiv diskutiert wird, wirkt die Programmierung erstaunlich unbekümmert. Während die Politik über Begrenzungsinitiative, Nachhaltigkeit und den künftigen Auftrag der SRG debattiert, setzt SRF auf Fernweh statt auf Nähe.
«Einfach Retour» mag ein sympathisches Sommerformat sein. Doch möglicherweise gilt auch hier: Das Gute liegt viel näher als auf der anderen Seite des Atlantiks.
Denn die spannendste Frage lautet nicht, ob Jan Fitze Rio erreicht. Darauf kann man schon jetzt wetten. Sondern ob SRF den eigenen Programmauftrag noch im Blick hat.



