Donald Trump hält sich laut internationalen Medienberichten für publikumswirksamer als Elvis Presley. Bruce Springsteen antwortet mit Protest, Psychologen liefern die Ferndiagnosen. Die amerikanische Polit-Show hat ihren Alleinunterhalter gefunden.
Früher mussten US-Präsidenten zum Geburtstag der Nation Flaggen schwenken, Militärkapellen abnehmen und beim Feuerwerk salutieren. Donald Trump löst das effizienter: Er erklärt sich gleich selber zur Hauptattraktion.
Nachdem mehrere Musikerinnen und Musiker ihre Auftritte an der Feier zum 250. Jahrestag der USA abgesagt hatten, kündigte Trump auf Truth Social Ersatz an: die «Attraktion Nummer eins überall auf der Welt», den Mann, der «viel grössere Publikumsmassen anzieht als Elvis in seinen besten Zeiten». Gemeint war, selbstverständlich, Donald Trump.
Der König ist tot, es lebe der König aus Mar-a-Lago. Zumal Trump die abgesprungenen Künstler kurzerhand als «drittklassig» taxierte und statt eines überparteilichen Geburtstagsfests eine Kundgebung mit «grossen Patrioten» erwägt.
Bruce Springsteen liefert dazu den Soundtrack der Gegenbewegung. Der «Boss» nutzt seine Tour für offene Attacken gegen die Trump-Regierung und ruft sein Publikum zum Widerstand auf. «Diese amerikanische Tragödie kann nur vom amerikanischen Volk gestoppt werden», sagt er.
Trump antwortet nicht mit einer Rezension, sondern mit Beschimpfungen: Springsteen sei ein «unausstehlicher Idiot» und eine «vertrocknete Pflaume». Politische Kampfansagen aus der Gemüseabteilung.
Für die Medien ist das Spektakel ein Selbstläufer: Ein Präsident feiert sich zum nationalen Jubiläum selber, ein Rockstar predigt Demokratie von der Konzertbühne, und Psychologen versuchen aus sicherer Distanz, das Phänomen klinisch einzuordnen. Der amerikanische Psychologe John Gartner attestiert Trump «malignen Narzissmus» und beginnende Demenz; 36 Fachleute halten den US-Präsidenten für geistig ungeeignet fürs Amt.
Doch genau hier wird es heikel: Andere Mediziner warnen vor politischen Ferndiagnosen und erinnern an die Goldwater-Regel. Wer einen Menschen nie untersucht hat, sollte mit Krankheitsbildern vorsichtig hantieren.
Trump dürfte die Debatte ohnehin anders lesen: Elvis ist tot, Springsteen protestiert, die Fachwelt diskutiert – und wieder dreht sich alles um ihn.




