Politredaktor Dominik Feusi hätte zur «Neuen Zürcher Zeitung» wechseln sollen. Nachdem der Klein Report Ende März davon berichtete, meldeten sich namhafte Journalisten mit der Frage: Ist das ein 1.-April-Scherz?
Nun hat es sich nach einer grösseren Plagiatsgeschichte gegen Feusi doch noch als eine Art 1.-April-Scherz herausgestellt.
Der «Blick» hat eine Recherche der «Neuen Zürcher Zeitung» ausgegraben, in der ein NZZ-Redaktor Dominik Feusi mit Fragen konfrontierte zu einer Nahostanalyse von ihm im Herbst 2024, die dieser praktisch integral vom britischen «Telegraph» übernommen hatte. Feusi zeichnete mit seinem Namen.
«Doch es sind nicht seine eigenen Gedanken, sondern die des renommierten ‚Telegraph‘-Kommentators Allister Heath», schreibt Fabian Eberhard im «Blick» über Feusi, der sich aus dem Artikel vom 3. Oktober 2024 mit dem Titel «Wir stehen am Rande eines endlosen Krieges – und nur ein Land kann ihn verhindern» bediente.
Der rechtsgerichtete französisch-britische Wirtschaftsjournalist Allister Heath arbeitet seit 2017 für den «Telegraph». Im Artikel wurde für den Angriff Israels auf den Iran plädiert, was auch Feusi unter seinem Namen so übernommen hatte.
Auf die NZZ-Fragen hin änderte man beim «Nebelspalter» den fast zu 90 Prozent abgeschriebenen Artikel ab, berichtet das Boulevardblatt. Dominik Feusi habe Teile des Textes umformuliert, zitierte den Orginaltext des «Telegraph» und weitere Quellen.
Der «Nebelspalter» habe den Text mit Hinweis versehen: «In der ersten Version des Textes wurden fälschlicherweise die Quellen weggelassen. Sie wurden nachträglich ergänzt.»
Bei der «Neuen Zürcher Zeitung» unter Chefredaktor Eric Gujer sah man damals von einer Publikation des Plagiats ab. «Laut Insidern soll ‚Nebelspalter‘-Chef Markus Somm auf der Redaktion interveniert haben», schreibt der «Blick».
Journalist Fabian Eberhard klopfte in den letzten Tagen bei der NZZ und bei Journalist Dominik Feusi an. Mea Culpa von Politikredaktor Feusi: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung für das, was ich gemacht habe. Das ist ein klares Plagiat, so etwas darf nicht passieren.» Die Textkopie sei ein Verstoss gegen die Glaubwürdigkeit des Journalismus, und das tue ihm leid, äussert er sich im «Blick».
Dann wirds etwas fadenscheinig mit seinen Begründungen: Man hätte an dem Tag noch dringend eine Geschichte gebraucht, und er sei alleine für die Website verantwortlich gewesen.
Vom neuen Vorgesetzten, von Chefredaktor Eric Gujer, gibts kein Statement. Die NZZ-Medienstelle teilt dem «Blick» mit: «Wir können Sie darüber informieren, dass Dominik Feusi die Stelle bei der NZZ nicht antreten wird.»
Dann wirds etwas fadenscheinig mit den weiteren Begründungen der offiziellen amtlichen NZZ-Medienstelle: «Der Sachverhalt sei den für die Rekrutierung zuständigen Personen zum Zeitpunkt der Rekrutierung nicht bekannt gewesen», heisst es im Plural.
Dann folgt ein Satz für die Geschichtsbücher: «Der Fall wurde sorgfältig geprüft und die Führung der NZZ ist zum Schluss gekommen, dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist.» Und: Publizistische Glaubwürdigkeit sei für die NZZ das höchste Gut.
Am Samstagabend erreichte die Redaktion des Klein Reports um 20 Uhr eine «Stellungnahme zu Plagiats-Vorwürfen» von «Nebelspalter»-Geschäftsführer Christian Keller, der für seinen Chef Markus Somm ein paar Zeilen ausrichten lässt: «Es ist zutreffend, dass die Kritik an der ursprünglichen Quellenkennzeichnung zum Beitrag ‚Wir stehen am Rande eines endlosen Krieges – und nur ein Land kann ihn verhindern‘ vom 3. Oktober 2024 berechtigt ist.»
Dann wirds etwas fadenscheinig mit den Begründungen: «Es gilt allerdings festzuhalten, dass Dominik Feusi zu einem frühen Zeitpunkt Korrekturen vorgenommen und die verwendeten Quellen im Beitrag transparent offengelegt hat.»
Dann folgt ein Satz für die Geschichtsbücher: «Vor diesem Hintergrund halten wir die öffentliche Darstellung der Angelegenheit für überzogen. Der Nebelspalter hat sich intern besprochen und betrachtet die Sache für abgeschlossen.»




