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Montag
08.06.2026

Medien / Publizistik

Soll die Wogen glätten: Marc-Anthony Anner… (Bild: Screenshot My Sports)

Soll die Wogen glätten: Marc-Anthony Anner… (Bild: Screenshot My Sports)

Nach dem Rücktritt von Urs Kessler als Präsident der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) setzt der Verwaltungsrat auf die protokollarisch vorgesehene Übergangslösung – und beordert Vize Marc-Anthony Anner in die Verantwortung.

Wie es in einer nüchtern gehaltenen Medienmitteilung heisst, soll Anner die SIHF «im Rahmen seiner Verfügbarkeit bei ausgewählten Anlässen vertreten». Unterstützt werde der Verantwortliche der Abteilung Nachwuchs-, Amateur- und Fraueneishockey dabei von den übrigen Verwaltungsräten sowie den zuständigen Gremien in ihren jeweiligen Dossiers.

Diese Übergangslösung gilt bis zur Wahl eines neuen Präsidenten an einer Generalversammlung.

Das kurze Kapitel von Urs Kessler beim Schweizer Eishockey-Verband endet dagegen abrupt. Der langjährige CEO der Jungfraubahnen war erst neun Monate im Amt. Angetreten war Kessler mit grosser Begeisterung, mit unternehmerischem Denken – aber auch mit einem Schuss Naivität des Quereinsteigers in einem Verband, der stark von internen Machtachsen, Gremien und gewachsenen Strukturen geprägt ist.

Besonders bemerkenswert: Kessler kommunizierte seine Demission ausgerechnet am Tag nach dem Ende der erfolgreichen Heim-WM. Sportlich hatte das Schweizer Eishockey gerade einen Höhepunkt erlebt, verbandspolitisch folgte unmittelbar der nächste Bruch.

Kesslers Rücktritt ist auch vor dem Hintergrund der Affäre um das gefälschte Covid-Zertifikat des früheren Nationaltrainers Patrick Fischer zu sehen. Die Enthüllungen, die Fischers vorzeitiges Ende als Nationaltrainer auslösten, erschütterten den Verband kurz vor der Heim-WM erheblich. Kessler stand damit früh in seiner Amtszeit vor einer Krise, die weit über sportliche Fragen hinausging.

In der Medienmitteilung hält sich die SIHF mit Bewertungen zurück. Der Verband dankt Kessler lediglich «für seinen Einsatz und sein Engagement zugunsten des Schweizer Eishockeys» und richte den Fokus nun «auf eine geordnete Übergangsphase».

Mit Anner übernimmt nun vorerst ein Vertreter der bestehenden Führungsstruktur. Der Verband setzt damit nicht auf einen neuen Aufbruch, sondern auf Stabilität, Kontinuität und interne Absicherung.

Für Kessler, der aus der Bergbahnwelt kam und das Eishockey mit frischem Blick führen wollte, ist das Abenteuer SIHF nach kurzer Zeit beendet. Für den Verband beginnt die Suche nach einer Lösung, die besser ins System passt.