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Mittwoch
10.06.2026

Medien / Publizistik

«Rein kommunikationstechnisch hätte Fischer besser noch etwas geschwiegen», findet der Eishockey-Chronist Klaus Zaugg... (Bild: zVg / © K. Zaugg)

«Rein kommunikationstechnisch hätte Fischer besser noch etwas geschwiegen», findet der Eishockey-Chronist Klaus Zaugg... (Bild: zVg / © K. Zaugg)

Eishockey-Chronist Klaus Zaugg (68) analysiert für den Klein Report Patrick Fischers erstes Interview nach der Covid-Zertifikatsaffäre. 

Sein Urteil: Der entlassene Nationaltrainer hätte besser geschwiegen – und wurde kommunikativ miserabel beraten.

Patrick Fischer hat sich erstmals ausführlich zum Fälschungsskandal geäussert. Was war Ihr erster Eindruck?
Klaus Zaugg
: «Rein kommunikationstechnisch hätte Fischer besser noch etwas geschwiegen. Alles, was er jetzt sagt, ist noch frisch und wird von jenen, die kritisch auf ihn schauen, gegen ihn ausgelegt. Er hat mit diesem Interview nichts gewonnen. Die Kontroverse wurde nur wieder aufgefrischt.»

Hat er den Schaden vergrössert?
Zaugg: «Nicht unbedingt vergrössert. Aber er hat nichts gewonnen. Das ist einer dieser Fälle, in denen man gewinnt, wenn man nichts sagt. Je länger Fischer geschwiegen hätte, desto stärker wäre die Legendenbildung um seine sportlichen Erfolge geworden. Stattdessen hat er die Gegenseite wieder provoziert. Patrick Fischer war in diesem Fall kommunikationstechnisch miserabel beraten.»

Fischer veröffentlichte das Gespräch auf seinem eigenen Youtube-Kanal – geführt vom beauftragten Journalisten Peter Röthlisberger. Wie beurteilen Sie dies?
Zaugg: «Wenn man eine Rechtfertigung will, war das die schlechteste aller Lösungen. Wer im öffentlichen Kreuzfeuer steht, kann sich nicht einfach einen Schutzraum bauen und einen bestellten Journalisten hinsetzen. Wenn schon, hätte sich Fischer einem kritischen Journalisten stellen müssen, der nachfragt. Ein solches Interview wirkt nicht wie echte Aufarbeitung, sondern wie kontrollierte Selbstdarstellung. Und das funktioniert in einer Krise selten.»

Fischer stellte sich nicht in erster Linie als Fehlbarer dar, sondern auch als Opfer von SRF und Verband. Ist das problematisch?
Zaugg: «Ja. Wenn jemand will, dass man ihm verzeiht, dann muss er ‘mea culpa’ machen. Asche über mein Haupt. Fischer hätte sagen müssen: Ich bin selbst verantwortlich. Es tut mir leid für mein Team, für die Öffentlichkeit, für den Verband. Ich habe Fehler gemacht und daraus gelernt. Das wäre die einzige Botschaft gewesen, die in dieser Lage geholfen hätte. Jeder Versuch, auf andere loszugehen, und vor allem jeder Versuch, sich als Medienopfer zu präsentieren, kommt in der Schweiz ganz schlecht an.»

Auslöser der ganzen Affäre war das Gespräch mit SRF-Journalist Pascal Schmitz. Fischer sagt, es sei «off the record» gewesen. Wie sehen Sie das?
Zaugg: «‘Off the record’ ist nicht verhandelbar. Ich habe oft vertrauliche Informationen respektiert. Entscheidend ist aber immer der Zeitpunkt der Vereinbarung. Wenn Fischer vor seiner Aussage klar gesagt hat: ‘Jungs, ich erzähle euch jetzt noch etwas, aber das ist off the record’, dann wäre eine spätere Verwendung ein schwerer Vertrauensbruch. Wenn er jedoch zuerst erzählt und erst nachher gemerkt hat, dass er zu weit gegangen ist, ist das etwas anderes.»

Kann man ein Gespräch nachträglich als «off the record» deklarieren?
Zaugg: «Nein. ‘Off the record’ sagt man vorher und nicht nachher. Wer im Rahmen seines Berufs oft mit Medien zu tun hat, muss das wissen. Auch ein nachträgliches E-Mail ändert daran wenig. Es ist nicht dasselbe, ob Vertraulichkeit vorher klar vereinbart oder erst hinterher eingefordert wird.»

Was sagt diese Affäre über das Verhältnis zwischen Sport und Medien?
Zaugg: «Es zeigt, wie gefährlich Vertrauensseligkeit im Umgang mit Medien werden kann. Fischer hat über Jahre ein gutes Verhältnis zu vielen Medienschaffenden gepflegt. Er ist eine charismatische Persönlichkeit, angenehm im Umgang, bei Journalisten durchaus beliebt. Genau das kann aber trügerisch sein. Beim Fernsehen ist die Dynamik nochmals anders. Wenn eine hochbrisante Aussage einmal im System ist und mehrere Leute deren Sprengkraft erkennen, ist sie kaum mehr aufzuhalten. Fischer ist ‘ins Plaudern gekommen – und hineingelaufen’.»

Welche Rolle spielt SRF in Fischers Kommunikationsstrategie?
Zaugg: «Aus meiner Sicht macht Fischer einen kapitalen Fehler, indem er das SRF frontal angreift. Aufs Fernsehen loszugehen, ist eine Verliererstrategie. Man kann für oder gegen das SRF sein. Aber in einer persönlichen Krise das Schweizer Fernsehen zum Gegner zu machen, ist kommunikativ brandgefährlich. Den Überbringer der schlechten Nachricht zum Täter zu machen, funktioniert nicht – schon gar nicht, wenn es um das SRF gehe.»

Weshalb hat Fischer bei Journalisten teilweise noch mehr Kredit als beim Publikum?
Zaugg: «Weil viele Journalisten ihn persönlich kennen. Fischer ist charismatisch, offen, angenehm. Wer mit ihm zu tun hatte, sieht nicht nur die Affäre, sondern auch den Menschen. Das breite Publikum hingegen sieht vor allem den Vorgang: ein gefälschtes Zertifikat, eine Entlassung, ein Rechtfertigungsinterview. Je weiter jemand von Fischer entfernt ist, desto heftiger fällt die Kritik aus. Um das zu erkennen, muss man nicht Kommunikationswissenschaft studiert haben.»

Was wäre aus Ihrer Sicht die richtige Kommunikationsstrategie gewesen?
Zaugg: «Schweigen. Warten. Die sportlichen Leistungen für sich sprechen lassen. Wenn Fischer sich dennoch äussert, dann nur mit einer klaren Schuldanerkennung. Keine Relativierungen, keine Angriffe auf Medien, keine Opferrolle. Fischer ist durch den Skandal vom Sockel gestürzt – und durch das Youtube-Interview ein zweites Mal. Hätte er geschwiegen, wäre die Legendenbildung um seine Zeit als Nationaltrainer weitergegangen. Mit dem Interview aber hat er sich aber selbst wieder in die Bredouille gebracht.»