Einmal mehr dehnt die SRG ihren Leistungsauftrag in Eigenregie aus: Mit der Lancierung der Quiz-Spiele-App «together» beschreitet die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft neue Wege im Online-Bereich, um ein «junges Publikum» anzusprechen und damit ihren selber interpretierten Leistungsauftrag zu erfüllen.
«Zusammenleben in der Schweiz. Unter diesem Motto steht die Integrations-App `together`», so die SRG in ihrer offiziellen Mitteilung vom Dienstag. Dabei handle es sich um ein Quiz-Spiel, das Fragen aus dem Alltag aufgreife. «Wieso sind Abfallsäcke in der Schweiz farbig und wie lange ist die Autobahnvignette gültig?», so einige beispielhafte Fragen, welche die App beantworten soll. «Der praktische Leitfaden zur Schweiz von SWI swissinfo.ch bildet hierfür die Basis», heisst es dazu.
Weshalb die Gesellschaft für Radio und Fernsehen nun eine Quiz-App lanciert, wird so begründet: «Gerade das junge Publikum nutzt vornehmlich Tablets und Smartphones, um sich zu informieren». Exakt dieses Argument nutzte die SRG bereits, als sie ihr Online-Angebot in den letzten Wochen und Monaten stetig weiter ausbaute.
Die SRG interpretiert ihren Leistungsauftrag damit einmal mehr in Eigenregie. Sie müsse «alle Menschen im Land erreichen – auch junge Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund». Vor diesem Ziel vergisst sie scheinbar ihren eigentlichen Programmauftrag: Im Gesetz ist nämlich jeweils von «Radio» und «Fernsehen» die Rede. «Online» ist nur beschränkt zulässig.
Zumindest fraglich ist, ob nach Leistungsauftrag, den der Bundesrat der SRG erteilt hat, überhaupt Platz für eine Quiz-App ist. Die Konzession sieht nämlich vor, dass sich das Online-Angebot der SRG klar auf «audiovisuelle Inhalte» auszurichten hat, also wiederum auf Radio und Fernsehen. Was bereits der Name SRG – Schweizerische Radio und Fernsehgesellschaft – impliziert, wurde auch rechtlich so festgelegt.
Gemeinsam mit der neuen App «together», die sich «sowohl an schweizerische als auch an ausländische Nutzerinnen und Nutzer» richte, lanciert die SRG auch noch die Website www.together-in-switzerland.ch und eine Präsenz auf Facebook - viel mehr Online geht nicht.
Die SRG selber schreibt zur neuen App: «Spielerisch entdecken Nutzerinnen und Nutzer mit einem Quiz das Leben in der Schweiz, erhalten Hintergrundinformationen und sind mit einem Newsfeed immer auf dem neuesten Stand – all dies in sieben Sprachen.» Doch die Konzession des Bundesrates lässt eigentlich nur sehr wenig Platz für solche Auswüchse.
Während Apps konzessionsrechtlich weder vorgesehen noch explizit geregelt sind, hat es insbesondere für eine Quiz-Spiele-App nur sehr wenig Platz. «Spiele und Publikumsforen» sind im Online-Bereich nämlich nur zulässig, wenn sie einen «zeitlich und thematisch direkten Bezug zu einer Sendung» haben. Ob «together» diesen Anforderungen genügt, hat nicht die SRG, sondern Bundesrat und das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) zu beurteilen.
In der aktuellen Medienmitteilung zur neuen App «together» spricht die SRG von einem «Pilotprojekt bis 2018». Danach entscheide die Chefredaktionskonferenz der SRG «in Absprache mit der SRG-Geschäftsleitung» über Zukunft und Weiterentwicklung der App. Von Bundesrat oder Bakom ist gar keine Rede.